Energiebilanzen Rückschau + Vorschau

Energieverbrauch deutlich gesunken

Entwicklung des Primärenergieverbrauchs in Deutschland 1990 – 2011 in Petajoule (PJ)

Energiebilanzen Rückschau + Vorschau

Nach vorläufigen Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen lag der Energiebedarf 2011 um knapp 5% unter dem Vorjahresniveau.

Die Kernenergie verminderte ihren Beitrag zur Energiebilanz infolge des Ausstiegsbeschlusses im Jahresverlauf um knapp 23%. Ihr Anteil fiel auf 17,7% am gesamten Stromverbrauch.

Erneuerbare überholen 2011 sowohl die Kernkraft als auch die Steinkohle.

Erneuerbare:

Die erneuerbaren Energien steigerten lt. BDEW ihren  Anteil am Energieaufkommen auf 19,9% Anteil am Strommix.

Gestiegen:
Besonders stark stieg die Windkraft mit 22%. Die Fotovoltaik verzeichnete ein Plus von 67%. Biogas stieg um 21%.
Gesunken:
Gesunken sind Wasserkraft (ohne Pumpspeicher) um 9% und Biokraftstoffe um 8%. Geothermie spielte lt. AGEB keine Rolle und wird mit 0% Beitrag am deutschen Strommix sowohl in 2010, als auch in 2011 angegeben. Damit soll hier ein Verlust um 47,6% entstanden sein.

Die Badische Zeitung:

„Atom-Ausstieg macht den Strom nicht knapp

Deutschland bleibt Stromexporteur: Das Land hat auch im Jahr 2011 mehr Strom exportiert als importiert – trotz der Abschaltung von acht Atomkraftwerken.

der deutsche Exportüberschuss im Jahr 2011 voraussichtlich sechs Milliarden Kilowattstunden betragen. Deutschland exportierte vor allem nach Österreich und in die Schweiz in den vergangenen zwölf Monaten viel Strom, drittgrößter Kunde sind die Niederlande. Zwar trugen zu dem Exportüberschuss in der Jahresbilanz auch noch die inzwischen abgeschalteten Reaktoren bei, da diese in den ersten drei Monaten zumindest zeitweise noch am Netz waren. Aber auch wenn man das zweite Halbjahr 2011 alleine betrachtet, ergibt sich für Deutschland mit seinen neun verbliebenen Atomreaktoren ein Exportüberschuss.

Kritiker des Ausstiegs hatten immer wieder gewarnt, Deutschland werde durch die Entscheidung in der Jahresbilanz zum Stromimporteur werden. Auch Befürchtungen, der Atomausstieg werde zu höheren Strompreisen führen, weil Strom knapp werde, erwiesen sich beim Blick auf die Strombörse EEX als falsch: Wenn Händler an den Terminmärkten aktuell Strom für die Jahre 2012 bis 2014 einkaufen, bezahlen sie für die Kilowattstunde zwischen 5,2 und 5,4 Cent – und damit sogar zeitweise weniger als vor dem Super-GAU in Fukushima.“
badische-zeitung.de/wirtschaft-3/atom-ausstieg-macht-den-strom-nicht-knapp

Quellen:
AG Energiebilanzen e.V.
Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft

 

Aussichten

Stadtwerke attackieren Stromriesen
Handelsblatt 22.12.2011, 10:15 Uhr

Nach dem beschleunigten Atomausstieg wollen die 900 Stadtwerke ihre Chance nutzen. Mit einem Milliardenprogramm wollen die kommunalen Versorger den Energieriesen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall entgegentreten. (…)
Damit fordern kommunale Versorger die angeschlagenen Stromriesen endgültig heraus. „Wir stehen vor einer Ära der Stadtwerke“, sagt Reck. Harte Kritik übt der Verbandschef am Kurs der Bundesregierung bei der Energiewende: „Bisher kann ich noch keinen Plan für diesen Umbau erkennen, den bleibt die Bundesregierung schuldig. “Um dem Kompetenzgerangel zwischen Umwelt- und Wirtschaftsministerium zu begegnen, müsse die Regierung einen eigenen Posten schaffen. „Deutschland braucht einen Energieminister“, fordert Reck.
handelsblatt.com/technologie/energie-umwelt/

Energie-Einsparpotential 40%

Das Potential zur Energiewende liegt zu einem grossen Teil im Einsparen von Energie, nämlich bei rund 40%.

Photovoltaik und Windkraft an Land

Zudem schreitet der Ausbau der Erneuerbaren gut voran. Ein massiver Ausbau der Photovoltaik und der Windkraftnutzung an Land kann schnell realisiert werden.

Kleine dezentrale Gas-Kraftwerke mit KWK, die schnell und problemlos regelbar sind

Für eine ernst gemeinte Energiewende müssen kleine dezentrale Gas-Kraftwerke zugebaut werden. Mit Kraft-Wärme-Kopplung ausgestattet, erreichen diese Wirkungsgrade von bis zu 90%. Als Basis dezentraler Energieversorgung, vor allem in Ballungszentren, können diese rentabel betrieben werden. Zudem können sie später auch mit Methangas oder mit Wasserstoff betrieben werden, das aus Überschüssen von regenerativen Kraftwerken gewonnen werden kann.

Siehe:  Umwandlung regenerativer Energie in Erdgas (Methangas)

Energiewende von der Politik gewollt?

Im aktuellen planlosen Agieren der Politik, stellt sich auch der politische Wille zur Energiewende in Frage. Nur ein sehr kleiner Teil der regenerativen Energieversorgung wurde bisher von den grossen Energieversorgern geschaffen.
Trotzdem dreht sich ein grosser Teil der Förderung um Technologien, die zu keiner Wende führen.

Unsinnige Technologien, die den Bürger viel Geld kosten und wenig Nutzen bringen

Pläne zur CO2-Verpressung nützen den klimaschädlichen Kohlekraftwerken, bringen neue Gefahren mit sich und finden keine Akzeptanz bei den Bürgern.
Pläne z.B. Exxon zur unkonventionellen Gasförderung bringen ebenfalls grosse Umweltrisiken mit sich und dienen den grossen Konzernen.
Die unsinnige Stromerzeugung aus Tiefer Geothermie ist bisher kaum von Erfolg gekrönt. Der extrem hohe Eigenenergieverbrauch wird aus Industriestrom gedeckt. Die Gefahren sind kaum absehbar, der Nutzen für die Bürger ist nicht erkennbar.
Mega-Biogasanlagen, die mit Monokulturen und Verseuchung ganzer Landstriche einhergehen finden keine Akzeptanz bei den Bürgern.
Die Entlastung der grössten Energieverbraucher durch die Politik und zu Lasten der Bürger zeugt ebenfalls nicht von dem politischen Willen zur Energiewende.

Die Energiewende wird scheitern, wenn sie unbezahlbar wird und in der Bevölkerung keine Akzeptanz findet

Energie muss dort erzeugt werden, wo sie gebraucht wird. Die Energie-Zukunft kann also nur dezentral und mit dem Willen der Bürger gestaltet werden.
Nicht nur Windkraftparks in Schwachwindregionen führen zu Bürgerprotesten, sondern auch die von der Politik forcierte weitere Zerstörung letzter naturnaher Regionen Deutschlands für sinnlose Grossprojekte.

Windkraft, Photovoltaik, Biomasse in Bürgerhand führen selten zu Protest. Auch die städtischen Energieversorger werden den Bürger bei Entscheidungen weitgehend mitnehmen müssen. Anders als die Grosskonzerne können sich diese nicht über den Bürgerwillen hinwegsetzen. Sinnlose Grossprojekte, die nur kurzfristigen Profiten geschuldet sind, können sich diese in der Regel nicht leisten.

Die städtischen Energieversorger 

Neben dem Zubau kleiner dezentraler Gaskraftwerke mit KWK ist hier der Zubau von Biogas bei Kläranlagen geschuldet. Die Chancen der Energiegewinnung aus Bio-Abfällen liegt in der intelligenten Nutzung bestehender städtischer, industrieller und Abwasseranlagen –  Nutzung der verfügbaren Infrastruktur und der Abfallströme.

„Energiewende bis 2020 ist ohne Subventionen möglich“

„Der Ausbau der Erneuerbaren wird wirtschaftlich erfolgreich sein, wenn wir bestehende Technologien und Wertstoffkreisläufe in den vorhandenen Infrastrukturen nutzen“, erklärte Gunter Pauli, Gründer und Vorsitzender der ZERI Foundation, bei der Präsentation des Energieszenarios in Berlin. Der massive Ausbau einer dezentralen, regenerativen Energieversorgung wird somit möglich und rentabel, ohne gesellschaftliche Widerstände auszulösen. „Ich bin von der Methode begeistert“, sagte Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker, ehemaliger Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. „Durch die intelligente Kombination einfacher Energiequellen entstehen Synergien und Effizienzgewinne.“

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Das Szenario von Gunter Pauli basiert auf drei bereits erprobten Technologien:

1.    Windkraft ohne Anlagenbau: Vertikal-Windturbinen, die in bestehenden Hochspannungsmasten installiert werden, machen den Bau zusätzlicher Windparks überflüssig. Wenn ein Drittel der 150.000 Hochspannungsmasten in Deutschland mit Vertikalturbinen ausgestattet würden, könnten damit bis zu 5 Gigawatt Leistung bereitgestellt werden. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 5 Milliarden Euro.

2.    Biogas effizient und als Speicher: Biogas-Generatoren ermöglichen die effiziente Gewinnung von Biogas durch Kombination von landwirtschaftlichen Abfällen und Klärschlamm. Würden 500 der 9.600 deutschen Kläranlagen damit ausgerüstet, könnten mit Gesamt-Investitionskosten von ca. 10 Milliarden Euro 5 Gigawatt Leistung zur Grundstromversorgung bereitgestellt werden.

3.    Solarenergie ohne Subventionen: Die dritte Technologie ist eine kombinierte Strom- und Wärmegewinnung durch doppelseitige Photovoltaik-Paneele. Bei einer Lebensdauer von über 20 Jahren liegen die Kosten pro Kilowattstunde bei unter einem Cent. Die Investitionen für eine angepeilte Kapazität von 5,4 Gigawatt liegen bei ca. 10 Milliarden Euro.

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siehe auch:
Achterbahnfahrt – Jahresrückblick Energie 2011
Telepolis / von Matthias Brake 27.12.2011
Ausstieg aus der Atomenergie, Netzumbau, Photovoltaik, Speichersuche und verbrannte Elektroautos
http://www.heise.de/tp/artikel/36/36147/1.html 

Howdy,
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