„alternative-energiequellen.info“ ist die Online-Zeitung der Bürgerinitiative BIFUNAE, die sich zum Schutz des Westufers am Starnberger See gegründet hat und sich dort auch mit den Gefahren durch das geplante Tiefen-Geothermie-Kraftwerk Bernried / Höhenried auseinandersetzt.

Friendly Fire

Benachrichtigung

Erkenntnisse aus logischen Schlussfolgerungen, die wiederum auf nachprüfbaren Fakten beruhen, kann ich momentan bei einigen der Volksvertreter, die ich, als Ausdruck meiner politischen Gesinnung und zur Vertretung meiner Interessen, gewählt habe, nicht mehr erkennen. Eigentlich ist es noch schlimmer, diese Leute haben sich direkt gegen meine Anliegen gewandt. Ich denke da natürlich an die “Grünen”, allen voran an Herrn Pfitzner, den Sprecher der Starnberger Grünen.

Eine bezeichnende Szene kommt mir da in den Sinn: auf der Infoveranstaltung der BifUN²AE im Andechser Hof ergriff Herr Pfitzner das Wort, er wundere sich schon, dass die BI so viele Zuhörer gegen das Geothermie-Projekt aufbringen könne.

Wer die Menschen nicht versteht, muss sich selbst fragen, ob er als Volksvertreter auf dem richtigen Posten ist.

Ich wiederum verstehe nicht, worüber sich Herr Pfitzner wundert – schließlich wurden im vorangehenden Vortrag Fakten mit zwingender Logik kombiniert, die in jedem Fall Zweifel an der Sinnhaftigkeit des GKWs Bernried aufkommen lassen. Da ich Herrn Pfitzner keine Debilität unterstellen will, ist mein Schluß: Er hat nicht zugehört, hat sich mit der Thematik nicht befasst. Und das ist ein Armutszeugnis, denn es geht schließlich um Umweltschutz, um Erhaltung der Artenvielfalt und um Nachhaltigkeit – anscheinend böhmische Dörfer für Hr. Pfitzner.

Herr Pfitzner wurde gewählt, um “grüne” Inhalte politisch zu vertreten und da gehört es meines Erachtens dazu, die berechtigten Bedenken der BI und der Bürger, die an diesem Abend im Saal waren, anzuhören und zu prüfen. Ich darf kurz aus der Präambel der Grünen zitieren:
“(65) Die Meinungs- und Willensbildung von Initiativen und Vereinen, der Arbeits- und Basisgruppen wird auf allen Ebenen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN einbezogen.”

Stattdessen stellt er sich mit breiter Brust hin, versteht nicht und kanzelt ab.

Dazu passt folgende Begebenheit: beim Grünen-Stammtisch zum Thema Geothermie hat Herr Sengl geäußert, dass es ihn nerve, dass sich bei nahezu jedem Vorhaben eine BI dagegen bildet. Tja, man hat´s halt nicht leicht als Politiker in der Demokratie.

Das lästige Wahlvolk entwickelt tatsächlich Standpunkte, die dem Parteiprogramm oder der persönlichen Absicht entgegenstehen. Na das ist ja nun wirklich unerhört!

Glaubenskrise

Die Bedenken, die die BifUN²AE in puncto Umweltschutz gegen das GKW ins Feld führt, werden gerne von den einen oder anderen Amtsträgern mit einem lapidaren “Glaub´ ich nicht!” weggewischt. Nicht dass die Herren es besser wüssten, nein, sie glauben es einfach nicht.

Sie haben die Mühe gescheut, sich vorher zu informieren, sie haben auch keine “Geheiminformationen” oder göttlichen Eingebungen – nein, sie glauben(!) einfach, dass die aufgeführten Daten und Fakten – belegt und überprüfbar – nicht wahr sind.

Auch der Forschungsdrang der Grünen wirkt erstaunlich gedrosselt. Obwohl die Daten der Erdbebenwarte, die von der BI angeführt werden, für jedermann zugänglich sind, wurden sie von den Experten der Grünen nicht gefunden. Was nicht sein darf, muss man auch nicht suchen.

Auch erschreckende Unkenntnis offenbart sich seitens einiger Amtsträger. Da gibt es Leserbriefe von Bernrieder Gemeinderäten, in denen die Pumpe (nicht etwa die 66 Lüfter, die mit Düsenjet-Lautstärke “dahin schnurren”) als Hauptlärmquelle ausgemacht wird, und das sei ja kein Problem , weil die Pumpe in Bernried ja unterirdisch liegt. Und es wird dann gönnerhaft darauf hingewiesen, dass ja die geologischen Voraussetzungen in Bernried ganz anders seien (was anscheinend automatisch bedeutet, dass hier alles besser und viel, viel sicherer sein muss).

Wenn sich einer der eben erwähnten Volksvertreter auch nur einmal die Mühe gemacht hätte, auf die Website der BI zu klicken, hätte er sich seine Äußerungen von vornherein an den Trachtenhut stecken können. Si tacuisses….

Dabei steht doch so viel auf der Homepage, eine Sammlung von Links, wissenschaftlicher Arbeiten und Dokumenten diverser Ministerien, namenhafter Institute und sogar Informationen, die herauszugeben sich die BEGeothermal genötigt sah.

Wer sich ernsthaft damit auseinandersetzen will, findet hier ein reiches Informationsangebot, das mühsam zusammengetragen wurde. Zahlreiche Universitäten, Institute und über 55.000 Besucher haben den Weg hierhin gefunden – einigen Politikern ist das aber anscheinend nicht möglich.

Dazu wieder die Grünen-Präambel: “(24) Wer keine Einflussmöglichkeiten sieht, fühlt sich auch nicht verantwortlich. Eine Politik, welche die Bürgerinnen und Bürger an der Mitwirkung hindert, erzeugt Resignation (…) Dies setzt einen fatalen Prozess des Demokratieabbaus und der Zerstörung demokratischen Engagements und Bewusstseins in Gang.”

Im Klartext: Die BI macht die Arbeit, die sich eigentlich die Politiker machen sollten, ehrenamtlich und unbezahlt, und die Herren und Damen Volksvertreter machen sich nicht die Mühe, sich damit zu beschäftigen, verstehen es nicht oder glauben´s einfach nicht. Wow, das motiviert!

Objektivität?

Stattdessen wird eine objektive Berichterstattung angemahnt, was nach dem Verständnis einiger Schlauköpfe heißen soll, die BI möge auch den Standpunkt der Gegenseite darstellen. Na dann, soll doch auch Die Linke die Argumente der FDP präsentieren, die CSU müsste auch die Positionen der Grünen neutral mit darstellen usw.

Ach ja, und Herr Stahl, der Betreiber des GKW, sollte wohl auch seinen Sermon auf der Informationsveranstaltung der BifUN²AE loswerden dürfen. Wenn die BI objektiv über die Risken und Nebenwirkungen des GKWs berichten soll, ist der Verkaufsmonolog eines Herrn Stahl, dem es wohl in erster Linie um profitable Investition geht, mit Sicherheit fehl am Platze.

Ein Gutes hat das Ganze aber auch: Der Wähler kann jetzt gut erkennen, welchen Interessen die Politiker seiner Wahl wirklich nachgehen. Er kann auch beurteilen, wer dann doch besser geschwiegen hätte. Hoffentlich merkt er sich´s bis zur nächsten Wahl.

Johannes Peszko-Hogl

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16 Comments

  1. Sebastian Pohl

    Schade, ein bisschen Bemühen um Sachlichkeit hätte der Diskussion geholfen. Diese polemische und mutmaßlich einseitige auf reine diskreditierende Effekte begrenzte Art der Schreibe ist dem Willensbildungsprozes kaum zuträglich.

    audiatur et altera pars gilt auch für diese BI

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  2. Sebastian Pohl

    Veröffentlichen Sie nur Kommentare, die Ihnen passen? Schade – das ist nicht gerade ein Zeichen ausgereifter Diskursfähigkeit.

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    1. admin

      Zuerstmöchte ich mich für die 24stündige Verzögerung entschuldigen. Des weiteren möchte ich darauf hinweisen, dass wir uns nicht in einem Willensbildungsprozess, sondern in einem Meinungsbildundsprozess befinden. Und was für unsere BI gilt, dürfen Sie ganz entspannt der BI überlassen.

      Reply
  3. Sebastian Pohl

    Sehr geehrter admin,
    herzlichen Dank für die Aufklärung. Ich bitte meinen unverzeihlichen Fehler in der Wortwahl zu entschuldigen.
    Ich konnte ja nicht wissen, dass Sie gar keine Entscheidung zu diesem Thema auf politischer Ebene mitwirkend anstreben. Wenn Ihr Ziel nur das ist, dass sich jeder eine eigene Meinung bildet – warum regen sie sich dann so über die Grünen auf ?????????????????????????

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  4. Nachdenklich

    Lieber Herr Pohl,

    der Meinungsbildung sollte eine Wissensbildung vorausgehen.
    Diese Wissensbildung ist vorliegend das Ansinnen dieses Mediums.
    Willensbildung ohne Wissen sollte den Religionen vorbehalten sein.

    Dass Bürger sich unabhängig bilden um an politischen Entscheidungen als mündige und aufgeklärte Demokraten teilzunehmen, sollte doch auch im Interesse der Grünen in Starnberg sein. Auch die Willensbildung dieser Partei sollte dem Wissen und dem Bürgerwillen folgen.
    Schliesslich ist ja der Bürger nicht für die Parteien da!

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  5. Sebastian Pohl

    Lieber Herr oder liebe Frau Nachdenklich,
    ich habe mit keiner Zeile den Informationsgehalt dieser Seite in Abrede gestellt – Sie bietet zumindest für Gegner der Geothermie reichlich Wissensstoff.
    Allerdings kann auch diese Seite nicht ernsthaft für sich beanspruchen allein seligmachend zu sein (um bei Ihrem Religionsbild zu bleiben).
    Objektivität kann ja auch nicht Anspruch eine BI und damit auch nicht dieser Seite sein, genau so wenig kann sie für sich beanspruchen, das Sprachrohr aller Bürger zu sein. So ist es allein aus diesem Grund ein nicht legitimes Ansinnen zu fordern, dass eine Partei einem von einer BI selbst formulierten Besitzanspruch des Bürgerwillens folgen solle. Das wäre ein Eingriff in die Souveränität einer Partei und würde dem Wesen und der Aufgabe von Parteien nicht gerecht werden.
    Etwas ganz anderes ist die diskursive Auseinandersetzung in Parteigremien oder mit Parteimitgliedern. Eine sachliche, polemikfreie Auseinandersetzung kann schließlich nur im Interesse Aller sein und jede Seite kann wertvolle Informationen aus einer Diskussion mitnehmen, um sich als Bürger und als Parteimitglieder, wie Sie richtig sagen, unabhängig zu bilden.
    Allerdings erweckt diese Seite kaum den Anschein ernsthaft an diskursiver Argumentation interessiert zu sein. Die aggressive Polemik-Kaskade überdeckt leider die Informationsabsicht durch die Wahl der Stilmittel. Wenn persönliche Diffamierungen als Mittel der Wahl dienen, um missliebige Sichtweisen zu diskreditieren, wenn es Autoren opportun erscheint engagierten Menschen die Integrität abzusprechen, dann werden emotionale Hürden aufgebaut, auf einem politischen Feld, das viel zu wichtig ist als auf dem Altar persönlicher Eitelkeiten geopfert zu werden. Schade.

    Reply
  6. Nachdenklich

    Lieber Herr Pohl,

    der Artikel “Friendly Fire” befindet sich unter der Rubrik “Kolumne”. Eine Kolumne bezeichnet die journalistische Form eines Meinungsbeitrags. Und einen deutlich gekennzeichneten Meinungsbeitrag muss sich eine politische Partei schon gefallen lassen!

    Zu den Sachthemen finde auch ich von Ihnen keinen Beitrag. Genau das kritisiert auch der Autor dieser Kolumne.

    Reply
  7. Sebastian Pohl

    Lieber Herr oder liebe Frau Nachdenklich

    Zwischen Meinungsbeitrag und Demagogie gibt es feine Unterschiede.
    Es geht hier nicht um Sachbeiträge, es geht um die Stilfrage im Umgang miteinander.

    Reply
  8. Johannes Peszko-Hogl

    Lieber Herr Pohl,
    ich beanspruche keinesfalls den alleinigen Bürgerwillen zu vertreten noch spreche ich für die gesamte BI, ich teile mit, welches Bild sich mir als Grünen-Wähler und BI Mitglied bietet. Dieses Feedback sollte die Grünen interessieren, auch wenn es nicht schmeichelhaft ausfällt.
    Den ersten Beitrag der Grünen zum Thema, den ich mitbekommen habe, war jener in obigem Artikel erwähnte Auftritt des Herrn Pfitzner. Ich hätte mir eine vorherige Kontaktaufnahme seitens der Grünen oder einen Meinungsaustausch sehr gewünscht, umso mehr fühlte ich mich vor den Kopf gestoßen.
    Lassen Sie sich gesagt sein: ich war nicht der Einzige und auch nicht der am meisten Enttäuschte.

    Reply
  9. Johannes Peszko-Hogl

    Lieber Herr Pohl,

    bezüglich der Meinungsbildung muss ich feststellen, dass sich doch einige Bürger an den Posotionen der Grünen orientieren und auf deren Meinung wert legen. Insofern ist es meines Erachtens unverantwortlich von Herrn Pfitzner, wenn er als Grünen-Funktionär auf einer BI Veranstaltung das Wort gegen die BI ergreift und vesucht, einzelne Personen der BI in Lächerliche zu ziehen. Es sei denn, er tut dies im Auftrag der Grünen, wenn dies auch Position der Partei ist. Ansonsten äußert er sich als Privatperson, wohlwissend, dass das als Position der Grünen missverstanden wird.

    Apropos Position: Wie sieht´s denn nun aus damit? Dass Sie mit meinem Stil der Schreibe ebenso wenig einverstanden sind wie mit dem Umgang miteinander, habe ich ja mittlerweile registriert. Wenn Sie aber eine sachliche Diskussion anmahnen, muss ersteinmal eine Diskussion existieren. Davon war bisher nichts zu spüren. Sie beklagen sich über Kritik und Polemik, leisten aber selbst keinen Beitrag zu einer substanziellen Auseinandersetzung.

    Nach dem Grünen-Stammtisch, zu dem die BI einngeladen war, hatte ich nach längeren Gesprächen den Eindruck, man käme zu dem Minimal-Konsens “Geothermie als Wärmequelle nicht ausschließen, Stromerzeugung aus tiefer Geothermie im LSG auf jeden Fall ablehnen”. Darüber hinaus haben wir Ihnen noch allerhand Informationsmaterial zur Prüfung zukommen lassen.
    Eine Antwort blieb aus – soll so die sachliche Diskussion aussehen? Was ist denn nun Sache, wie ist Ihre Position?
    Etwas Handfestes wäre mir wesentlich lieber als diese oberflächlichen Scharmützel, aber immerhin – die Grünen sagen etwas, das ist ja schon mal ein Anfang!

    Ach ja: meine Meinungsäußerung ist klar als solche gekennzeichnet, die Angriffe von Hr. Pfitzner oder aber auch Hr. Reichenberg, derer sich die BI lange vor diesem Artikel erwehren musste, kamen von irgendwo zwischen Parteiäußerung und Privatmeinung – Kalkül oder nicht.

    Ich bin bin keinesfalls daran interessiert, die Grünen zu schädigen oder einzelne Personen zu diffamieren, ich lege hier ganz gezielt den Finger in eine Wunde, von deren Existenz Sie anscheinend noch keine Notiz genommen haben.
    Grosse Teile der BI sind meiner Einschätzung nach potentielle oder aktive Grünen-Wähler, die allerdings angesichts der letzten Entwicklungen vor lauter Kopfschütteln langsam Halsschmerzen bekommen.

    Reply
  10. Sebastian Pohl

    Lieber Herr Pezko-Hogl,
    vielen Dank für die Darstellung Ihrer Sicht der Dinge. Ich wollte nicht unterstellen, dass Sie persönlich den Bürgerwillen für sich beanspruchen, dieser Eindruck ergibt sich aber für die BI als Konstrukt in bestimmten Forderungen gegenüber parteipolitisch Aktiven, sei es hier online, sei es in postalischen Schriftsätzen.
    Seien Sie versichert, dass die Außenwahrnehmung der Grünen wichtig ist, doch auch hier muss erwähnt werden, dass manche Darstellung, die auch aus Ihrer Feder stammt nicht kongruent zu dem ist, was andere Beteiligte von derselben Veranstaltung berichten. Außerdem halte ich persönlich nichts davon nur danach zu agieren, oder sich zu äußern, wie es gerade opportun ist oder wo sich populäre Punkte sammeln lassen – Enttäuschungen können dabei vor allem dann nicht vermieden werden, wenn Partialinteressen, persönliche Betroffenheiten und unterschiedlich wahrgenommene Prioritäten ins Spiel kommen. Den Spagat zwischen genau diesen Faktoren fordert nun das Thema Geothermie. Eigeninteressen, Naturschutz, Gewerbe, Energieversorgung, zukünftige Generationen um nur wenige zu nennen, müssen dabei in den Entscheidungsprozess eingehen.
    Wo es m.E. richtig problematisch wird ist der Punkt, wo das Bekenntnis zur Energiewende dem St. Florians-Prinzip weicht. Auf der anderen Seite ist es nur selbstverständlich, dass man nicht jede Option, sei es Biomasse, Windkraft oder Geothermie überall zur Nutzung bringen kann.
    Eine möglichst sachliche Untersuchung aller Fürs und Widers halte ich hier für mehr als angebracht. Dazu gehört auch, dass Beispiele, positive wie negative, die angeführt werden, auch eine starke Vergleichbarkeit mit dem „Streitobjekt“ aufweisen. Panikmache oder Höllenvisionen heraufzubeschwören gehört dabei zu emotionalen Aspekten, wohl aber nicht zu objektiv ergebnisorientierten. Freilich dient Ihre BI hier der Positionierung der Geothermie-Gegenposition, aber Sie können aus dem Grund auch nicht verlangen, dass Ihre Informationen als nicht-selektive und sachlich ausgewogene Bereitstellung von Informationen wahrgenommen werden und in den Meinungsbildungsprozess (auch innerhalb von Parteien) einfließen. Es ist eine Seite der Medaille.
    Sie sprechen von Informationsmaterial, das Sie uns zukommen haben lassen – leider kenne ich dies nicht.
    Wir haben aus Grünen Sicht hier auch noch keinen Diskussionsabschluss, nur denke ich ist es Konsens, dass eine Stromgewinnung ohne die Nutzung der Wärme als nicht sinnvoll angesehen wird (ich bitte dies als persönliche Äußerung zur Wahrnehmung des Diskussionsstandes zu verstehen). Wir haben uns allerdings auch damit auseinanderzusetzen, wie wir LOKAL unseren zukünftigen Energiebedarf decken können, und zwar langfristig und ohne Atom- bzw. Kohlestrom und ohne Energiekolonialismus. Ob wir Geothermie dann überhaupt (jetzt schon) brauchen, oder ob ernsthafte Alternativen verwirklicht werden können, vermag ich (noch) nicht zu beurteilen, aber sie kategorisch auszuschließen bzw. zu verdammen halte ich nicht für seriös – für mich persönlich ist die Diskussion zu diesem Zeitpunkt noch ergebnisoffen.

    Reply
  11. Johannes Peszko-Hogl

    Sehr geehrter Herr Pohl,

    vielen Dank für die Antwort.Ich denke, dass sich jeder Leser unserer Seiten ebenso wie Sie in einem Abwägungsprozess befindet. Ich bemängele aber, dass ich in den Diskussionen viele der Argumente, die wir hier anführen und die mir stichhaltig erscheinen, nicht wiederfinde oder berücksichtigt sehe. Ich würde mich freuen, sie Ihnen ruhig und sachlich darlegen zu dürfen, bin mir allerdings auch sicher, dass Sie sie selbst in unserem Informationsangebot auffinden werden. Nicht aufgrund eines unterstellten St.Floriansprinzips bin ich gegen das Tiefe Geothermie Projekt in unseren Breiten, insbesondere am Westufer des Starnberger Sees, sondern aufgrund der Schlüsse, die sich durch die Betrachtung der angebotenen Informationen ziehen lassen. Das Projekt ist hier deplaziert, unwirtschaftlich, energieverschwendend und stellt eine potentielle Gefahr für Mensch und Umwelt (und zwar weniger durch drohende Erdbeben als durch den Bau- und Regelbetrieb) dar. Dadurch wird leider eine ganze Sparte der Energieerzeugung in Mitleidenschaft gezogen, die anderswo und unter anderen Umstände sinnvoll sein könnte.
    Insbesondere möchte ich Sie bitten, bei der Diskussion die SRU-Studie zur Energieversorgung 2050 zu berücksichtigen. Stromerzeugung aus tiefer Geothermie ist überflüssig und läuft einer Versorgung mit alternativen Energien zuwider.
    Ich muss allerdings auch noch sagen, dass ich von den neuerlichen Aktivitäten Hr.Pfitzners erneut entsetzt bin und froh wäre, wenn er aufhören würde, dieser unseriösen BEGeothermal den Weg zu ebnen.
    Wenn bei Ihnen parteiintern die Diskussion noch am Laufen ist, wäre da nicht Zurückhaltung geboten?
    Liebe Grüße

    Reply
  12. Sebastian Pohl

    Lieber Herr Peszko-Hogl,
    zum Abwägungsprozess sind wir uns dann ja auf jeden Fall einig , und vielleicht sind Sie jetzt überrascht, wenn ich mich hier ganz persönlich als durchaus kritisch dem Bernrieder Projekt gegenüber oute. Was ich interessant fände, wäre wirklich mal eine unemotionale Gegenüberstellung der Fürs und Widers, so dass zum Schluss auch nur die Argumente bleiben, die für genau das Bernrieder Projekt zum Tragen kommen.
    Ich begrüße es sehr, dass Sie im Gegensatz zum Tenor, den ich auf der Website wahrnehme, hier eine differenzierte individuelle und Abwägende Sichtweise anbieten und keine pauschale Verurteilung einer Energieform, die wir zumindest nicht kategorisch aus unserem Portfolio streichen können.
    Ich schätze es auch, dass Sie das Thema Erdbeben an dieser Stelle zumindest relativieren, denn was ich bedauerlich finde ist, dass sehr stark mit diesem Angstmacher und entsprechenden Beispielen hantiert wird. Diese Vergleichbarkeit ist einfach nicht gegeben und so leistet dies in der Argumentationskette eher eine Bärendienst. Ihre Aussage „Dadurch wird leider eine ganze Sparte der Energieerzeugung in Mitleidenschaft gezogen, die anderswo und unter anderen Umstände sinnvoll sein könnte“ empfinde ich als geradezu wohltuend.
    Ich bevorzuge hier die Argumentation: „Nutzen wir diese Quelle in Bernried (zu diesem Zeitpunkt) wirklich sinnvoll, und hier sehe ich zuvorderst das Abnahmeproblem der Wärme. Hier sehe ich den massiven Landschaftsverbrauch, ich kenne auch das Lärmproblem (wobei ich nicht abschätzen kann, ob hier aufgrund der Lage, Wohngebiete massiv beschallt würden).
    Ich sehe aber auch das Problem, dass wir uns auf mittlere Sicht von fossilen Energieträgern verabschieden müssen und Geothermie hier eine Option ist, ebenso wie Windkraft, Wasserkraft Solarenergie und Biomasse. Was aber tun wir, wenn jeder, der in seiner Nachbarschaft solche Anlagen zu erwarten hat, dies ablehnt? In meiner Nachbarschaft (Sichtweite vom Balkon) wird möglicherweise eine große Biomasseanlage entstehen, und auch hier ist massiver Widerstand zu erwarten – ich werde das Ding sehen, ggf. riechen – und trotzdem bin ich dafür, weil jeder seinen Beitrag leisten muss.
    PS. Können sie mich über die „neuerlichen Aktivitäten Hr.Pfitzners „ aufklären? Was, wann, wie, wo???
    Herzlicher Gruß

    Reply
  13. Johannes Peszko-Hogl

    Lieber Herr Pohl,

    Hr.Pfitzner sammelt in Funktion des Vorsitzenden des Energiewendevereins OG Tutzing Unterschriften für eine Zusammenarbeit Tutzings mit der BEGeothermal. Im Wortlaut:

    “Ortsgruppe Tutzing des Energiewendevereines:

    Geothermie: Gemeinde Tutzing soll Heft des Handels nicht aus der Hand geben. Mit der Ablehnung des Tutzinger Gemeinderates bei der Geothermie mit den Gemeinden Pöcking und Feldafing sowie der Firma BE Geothermal Bernried zusammenzuarbeiten hat die Gemeinde einen Großteil Ihrer Einflußmöglichkeiten bei der Nutzung der Geothermie hergegeben. Darüber hinaus überlässt Tutzing die wirtschaftlichen Chancen gänzlich den anderen beiden Gemeinden oder womöglich einem Privatinvestor. Die Rechte zur Nutzung der Geothermie werden für den Bereich Pöcking / Feldafing / Tutzing neu vergeben. Der neue Inhaber dieser Rechte wird versuchen die Geothermie nur in seinem Sinne zu nutzen. Verschließt sich die Gemeinde Tutzing der Zusammenarbeit mit den anderen Kommunen so hat sie nicht mehr die Möglichkeit, zum Wohle ihrer Bürger, Einfluss u. a. auf die Bohrung, den Betrieb und eine kostengünstige Versorgung mit Fernwärme zu nehmen. Die jetzige Entscheidung sich, zusammen mit BE Geothermal und den anderen beiden Gemeinden um die Bergrechte zu bewerben, bedeutet weder, dass jetzt größere Summen von der Gemeinde Tutzing investiert werden müssen, noch dass sich die Gemeinde Tutzing dazu verpflichtet, in ein Geothermieprojekt einzusteigen. Mit der gemeinsamen Bewerbung um die Bergrechte sichert sich Tutzing Mitspracherechte. Wir fordern deshalb den Gemeinderäte auf, die Interessen der Bürgerinnen und Bürger in Tutzing zu vertreten und auf der Sondersitzung des Gemeinderates am 29.07.2010 für eine Zusammenarbeit mit BE Geothermal, Feldafing und Pöcking zu stimmen.”

    Sie werden sicher verstehen, was ich unter “Zurückhaltung” meinen könnte.

    Was eine verantwortungsvolle Nutzung der tiefen Geothermie angeht, so kann ich Stromerzeugung gegenwärtig sicher ausschließen. Die Effizienz ist mit 10-12% zu gering, 90% der geförderten Energie wird beim Kühlprozess in die Umwelt geblasen. Wenn das nicht Energieverschwendung ist, dann weiß ich auch nicht weiter. Dass sich das aber für den Betreiber lohnt, ist ein katastrophaler Geburtsfehler des EEG. Hier muss nachgebessert werden, da ist die Politik in der Pflicht.

    Eine reine Wärmeförderung zu Heizzwecken schließt der Betreiber hingegen aus. So weit ich beurteilen kann, ist sie in der in Bernried geplanten Tiefe auch unwirtschaftlich, der Bohraufwand und die energieintensive Förderung machen da einen kräftigen Strich durch die Rechnung. Das mag woanders oder auch wann anders besser aussehen, Bohrverfahren und Pumpeneffizienz etc. können sich erhöhen, wie lange das aber noch braucht, kann ich nicht abschätzen.
    Sicherlich muss dazu einiges an Know-How dazugewonnen werden, aber doch nicht in einem verschwenderischen, megalomanischen Versuchstall inmitten prächtigster Natur, umgeben von bedrohten Tierarten und Pflanzen.
    Was hier geplant wird, macht doch gerade eine effiziente Wärmeversorgung für folgende Generation zunichte. Es wird mehr abgebaut, als der Wärmestrom der Erde nachliefern kann – das entspricht nicht meinem Verständnis der Nachhaltigkeit. Eine nachhaltige Förderung ist aber nicht wirtschaftlich (zumindest jetzt nicht, weshalb man dieses Projekt auf Eis legen sollte.

    Stattdessen wird aber versucht, das GKW durch genehmigungsrechtliche Tricksereien durchzumogeln – kein Planfeststellungsverfahren, ein UVS durch einen gedungenen Landschaftsarchitekten undundund…

    Da sträuben sich mir auch als Demokraten die Haare.

    Natürlich trägt jeder von uns Verantwortung, eine nachhaltige und umweltbewahrende Energieversorgung zu ermöglichen (auch ich würde mich einem sinnvollen Kraftwerk nicht verschließen), wir müssen aber auch Fehlentwicklungen und Missstände aufdecken und thematisieren.
    Manchmal müssen wir, um gehört zu werden, auch lauter werden, als wir uns das eigentlich wünschen.

    Mit lieben Grüßen

    Reply
  14. hannes

    Ach ja, ich sollte puncto Pfitzner noch erwähnen: die meisten anderen aktiven Mitglieder des Energiewendevereins (auch aus Tutzing) wissen von der Aktion nichts.

    Reply
  15. Sebastian Pohl

    Lieber Herr Peszko-Hogl,
    vielen Dank für die Information – mehr möchte ich dazu jetzt noch nicht sagen…

    ein herzlicher Gruß

    Sebastian Pohl

    Reply

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