"GeneSys" wird "Huff-Puff"

Quelle u.a.: Hannoversche Allgemeine: GeneSys-verzoegert-sich-um-ein-Jahr 28.12.2010

„Wir nennen dieses halbjahreszyklische System Huff-Puff“, sagt Projektleiter Peter Gerling

HDR für Wärme – Demonstrationsprojekt GeneSys Hannover

Eine Gebäudeheizung für 24 Millionen Euro
2009 wurde auf dem Gelände des GEOZENTRUMS Hannover eine ca. 3.900 m tiefe Bohrung niedergebracht. In etwa 3.800 m Tiefe werden großflächige Risse erzeugt, um einen Wärmetauscher zu bilden. In einem mehrmonatigen Testbetrieb wurde die Funktions- und Leistungsfähigkeit des geschaffenen Systems auf die Probe gestellt. Durch die Kopplung an eine geothermische Heizzentrale soll das GEOZENTRUM Hannover mit Wärme versorgt werden.

Ziel ist es, die Büro und Laborgebäude des Geozentrums mit Wärme zu versorgen. Hierfür ist ein Wärmebedarf von ca. 2 MW thermischer Leistung notwendig. Um diese Leistung zu erreichen, werden Fließraten von 25 m³/h bei Fördertemperaturen von ca. 130°C benötigt. Numerische Modellierungen zeigen, dass diese Konzepte die benötigte thermische Leistung von ca. 2 MW für einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren liefern können. (BGR)

Das Projekt GeneSys Hannover wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie finanziert.

Konzept geht nicht auf – „GeneSys“ wird „Huff-Puff“

Juni 2010 – Dezember 2010: Perforation der Bohrung und Frac-Versuche
Aufgrund des unerwartet hohen Gebirgsdruckes musste ein Schutzstrang in die Bohrung eingezogen werden, um die Verrohrung während der Experimente nicht zu überlasten.
Im Dezember 2010 wurde vom Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) das vertikale seismische Profil (VSP) bis zur Bohrloch-Endteufe vermessen.

Untergrund zu dicht
„Wegen der Festigkeit des Gesteins ist die ursprünglich geplante Form der Heißwasserförderung aus der Tiefe nicht möglich. Gedacht war, das Wasser durch speziell isolierte Rohre im Bohrloch permanent zwischen 3900 Metern Tiefe und dem Geozentrum an der Oberfläche zirkulieren zu lassen.

Anlegen eines Riesen-Speichers in 1300 m Tiefe
„Die Forscher planen stattdessen nun, in 1300 Metern Tiefe einen Zwischenspeicher für 100. 000 Kubikmeter Heißwasser anzulegen. Dafür soll ein natürlicher Porenraum in einer in dieser Tiefe entdeckten Gesteinsschicht genutzt werden. Würde das Geozentrum statt dieses natürlichen Zwischenspeichers einen Tank an der Oberfläche bauen, müsste er die Größe einer zehn Meter hohen Halle haben, die eine Fläche von knapp zwei Fußballfeldern umfasst.

Während der Heizperiode im Winter sollen 100.000 Kubikmeter heißes Wasser aus 3900 Metern Tiefe gefördert und mittels eines Wärmetauschers zur Wärmeversorgung des Geozentrums genutzt werden. Anschließend wird das dann auf etwa 70 Grad abgekühlte Wasser in den Zwischenspeicher geleitet. Nach dem Ende der Heizperiode im Frühjahr soll das Wasser wieder in 3900 Meter Tiefe gepumpt werden, wo es sich erneut aufheizen soll. „Wir nennen dieses halbjahreszyklische System Huff-Puff“, sagt Gerling.“ 2*

Hydraulic Fracturing
„Bis es so weit ist, muss zunächst mit hohem Wasserdruck ein System von Rissen in das Gestein in 3900 Meter Tiefe gepresst werden – der Umfang der Risse muss etwa einen halben Quadratkilometer betragen. Voruntersuchungen haben ergeben, dass für die Risserzeugung eine Wassermenge von 20 000 Kubikmetern nötig ist, die mit einem Druck von mehr als 700 Bar ins Erdreich gepresst wird. (Hydraulic Fracturing)

Ursprünglich war geplant, ab 2013 das Geozentrum in Lahe mit Erdwärme aus 3900 Metern Tiefe zu versorgen. Jetzt rechnet Projektleiter Peter Gerling mit einer Verzögerung von etwa einem Jahr. Zunächst muss der gigantische unterirdische Wassertank angelegt werden.“ 2*

„Nur“ 60% teurer
„Wesentlich teurer soll das Projekt dadurch aber nicht werden. Gerling rechnet mit 24 Millionen Euro Gesamtkosten. Ursprünglich war mit 15 Millionen Euro kalkuliert worden.“
Das Projekt GeneSys Hannover wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie finanziert, also von uns Steuerzahlern. Und die Energie (Strom) um 100.000 Kubikmeter Wasser hin und her zu pumpen, kommt aus der Steckdose.

Quellen:
2*Hannoversche Allgemeine: Hannover/GeneSys-verzoegert-sich-um-ein-Jahr
BGR

Siehe auch:
Tiefengeothermie zur Wärmenutzung
Wahre Versorgungsschande – Heizen mit Kapital
Pilotprojekte mit Landeproblemen
SUPERC/AACHEN + NASS/ANSBERG

R.F-J

Howdy,
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