„induzierte Seismizität“ Bohrtechnik

Das US-Start-up GTherm will ein System entwickelt haben, dass tiefgelegene geothermische Quellen ohne Erdbebengefahr nutzen soll.

„(…) Wo die geologischen Bedingungen für konventionelle Geothermie nicht gegeben sind, arbeiten Ingenieure mit dem so genannten „Hydraulic Fracturing“. Sie bringen das Tiefengestein mit einer unter hohem Druck stehenden Spülung zum Bersten, um ein Reservoir heißen Grundwassers anzapfen zu können.
Nachteil: Die Spülung kann Grundwasseradern verschmutzen – und das „Fracken“ im schlimmsten Fall sogar Erdbeben verursachen.

Aufsehen erregte diese „induzierte Seismizität“ erstmals Ende 2006 in der Nähe von Basel: Eine Probebohrung des Projekts „Deep Heat Mining Basel“ löste Hunderte von kleinen Erdstößen aus. Einige Minibeben erreichten eine Stärke von 3,5 und beschädigten sogar Gebäude. Das Projekt wurde schließlich 2009 gestoppt. Mit einem ähnlichen Problem war in den USA der Geothermie-Entwickler AltaRock Energy konfrontiert.
(Sowohl das Projekt in Basel als als auch das Prokekt Alta Rock in Kalifornien (The Geysers) wurden wegen der Erdbeben eingestellt.)

„Sie können seismische Erschütterungen mit jeder Art von Fracturing auslösen“, warnt Herbert Einstein, Geologe am MIT. „Und wenn Sie das in der Nähe einer Stadt betreiben, kann es gefährlich werden.“

GTerm will eine Art Festkörper-Wärmetauscher auf dem Grund der Bohrung ausbringen. Dieses „Wärmenest“ soll die Wärmeenergie aus dem umliegenden Gestein ziehen.
Bislang ist die Konstruktion nur als dreidimensionales Computermodell durchgerechnet worden.

(…) Er (Herbert Einstein) ist aber skeptisch, ob GTherm seismische Risiken mit dem neuen Ansatz wirklich komplett ausschließen könne. „Der Wärmetauscher muss eine viskose Flüssigkeit sein, bevor er auf dem Grund der Quelle aushärtet. Deshalb sehe ich nicht, wieso dadurch nicht ähnliche Probleme entstehen sollen“, sagt Einstein. „Wir müssen abwarten, ob das tatsächlich funktioniert.“

Info: heise.de

Weltweit existiert bis heute kein funktionierendes HDR-Geothermiekraftwerk. Alle Versuche scheitern bislang an den Mensch-gemachten Erdbeben und Landabsenkungen.

Aber auch hydrothermale Geothermie-Kraftwerke lösen immer wieder Erdbeben aus. Die einzigen zwei Geothermie-Kraftwerke Deutschlands, die nennenswert Strom erzeugen können, haben immer wieder kleinere Erdbeben ausgelöst. In Landau in der Pfalz kam es zu grösseren Gebäudeschäden bei Magnituden bis 3. In Unterhaching wurden Mikrobeben mit Magnituden bis 2,4 gemessen.
Beide Geothermie-Kraftwerke (nicht zu verwechseln mit Heizwerken) in Deutschland bleiben Forschungsstationen, auch wenn sie die Grösse von Forschungsprojekten weit übertreffen. Jedes in Planung befindliche GKW ist ein Experiment, das im dicht besiedelten Deutschland grosse Fragen aufwirft.

Während GTherm / USA davon träumt, mittelfristig geothermischen Strom zu 10 US-Cent pro Kilowattstunde produzieren zu können, kostet der in Unterhaching bei München produzierte Geothermiestrom 67 Euro Cent pro Kilowattstunde.
Und da weder bei der Bohrtechnik, noch bei den Pumpen grosse Innovationen zu erwarten sind, geht auch der Sachverständigenrat der Bundesregierung weder von einer Kostensenkung, noch von einer Lernkurve aus.
R.F-J.
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Howdy,
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