„alternative-energiequellen.info“ ist die Online-Zeitung der Bürgerinitiative BIFUNAE, die sich zum Schutz des Westufers am Starnberger See gegründet hat und sich dort auch mit den Gefahren durch das geplante Tiefen-Geothermie-Kraftwerk Bernried / Höhenried auseinandersetzt.

"Mit heißem Wasser aus der Tiefe Strom in Deutschland erzeugen zu wollen, erfüllt im Grunde den Straftatbestand des groben Unfugs"

Benachrichtigung

“Das Geothermie-Märchen

Mit heißem Wasser aus der Tiefe Strom in Deutschland erzeugen zu wollen, erfüllt im Grunde den Straftatbestand des groben Unfugs – in Verbindung mit der Verschwendung von Steuergeldern, sofern die zurzeit laufenden Projekte öffentlich gefördert werden. Es ist der hoffnungslose Versuch, die Gesetze der Physik zu betrügen: Bei einer Temperaturdifferenz von etwa 80 Grad zwischen dem etwa 100 Grad heißen Wasser aus dem Bohrloch und der Kühlseite des daran angeschlossenen Niederdruck-Dampfkraftwerks ist der Umwandlungs-Wirkungsgrad von Wärmeenergie in elektrische Energie dermaßen klein, dass die allenfalls optisch eindrucksvollen Versuchskraftwerke – die tatsächlich gebaut worden sind – nur minimal Strom erzeugen können. Aus diesem Grund wird in den Beschreibungen dieser Projekte stets jegliche Angabe des elektrischen Wirkungsgrades sowie der anteiligen Anlagenkosten pro erreichtem Kilowatt an erzeugter elektrischer Leistung peinlichst vermieden. Die Leistungsbilanz sowohl der 4 errichteten und der 5 geplanten Geothermiekraftwerke ist insgesamt: 7,4 Megawatt. Ein einziges Kohlekraftwerk erzeugt jedoch 900 bis 1.400 MW; ein Kernkraftwerk 1200 bis 1.400 MW. Sinnvoll wäre allein die Nutzung der Geothermiewärme zu Heizzwecken über Fernwärme – sofern sich ein Neubaugebiet in der Nähe der Anlage befindet. Aus dem soeben bekannt gewordenen EEG-Erfahrungsbericht des BMU, der zugleich die künftige Planung bekannt gibt, geht hervor, dass “die Förderung der Geothermie stark ausgebaut werden soll”. Damit sind höchstwahrscheinlich wieder “Kraftwerke” wie die oben genannten gemeint. Das Motto scheint zu sein: Je hoffnungsloser und sinnloser die Vorhaben, desto stärker die Förderung.”

Schreibt Günter Keil in Novo-Argumente
Keil war als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU München / Fraunhofer Gesellschaft sowie im Bereich Projektförderung beim Bundesforschungsministerium tätig. Heute lebt er als freier Autor in Sankt Augustin.

siehe auch:
Tiefengeothermie zur Stromerzeugung Zusammenschnitt

Alles was angeordnet wird, muss gut sein

Auf die vielen Nachfragen an Politiker in Bund, Land und Kreis konnte keiner eine Erklärung für die unsinnige Förderung dieser unnützen und oft auch umweltschädlichen Technik liefern. Ausschliesslich mit leeren Hülsen und “Allgemeinplätzchen” werden die Nachfragen abgespeist und der Bürger für dumm verkauft.
Allgemeiner Tenor der Politik: “Wir müssen die Energiewende vorantreiben.” Und damit enden auch schon die wenig qualifizierten Antworten.

Die Energiewende ist zur Glaubensfrage verkommen

Nicht die Physik, die Ökonomie, nicht einmal die Ökologie scheinen bei den Weichenstellungen der Politik noch eine Rolle zu spielen. Dem einen oder anderen aufgeklärten Bürger stellt sich bereits die Frage, ob die Energiewende so ganz bewusst hintertrieben wird. “Es kann doch nicht sein, dass die allesamt zu blöd sind”, wird immer häufiger befürchtet.

Für Bürgerinitiativen, insbesondere für Bürger die eine Energiewende wollen, stellt sich die aktuelle Situation extrem schwierig dar. Eine kritische Betrachtungsweise der im EEG bedachten neuen Energien obliegt überwiegend Befürwortern von Atomenergie und “CO2-Schleudern”. Kritik an den Neuen Energien aus dem Feld der Atomkraftsgegner steht im Widerspruch zu einem allgemeinen Konsens. Sich gegen die aktuelle Energiepolitik zu stellen, birgt die Gefahr zum Umgläubigen gestempelt zu werden.

Eine nicht repräsentative Umfrage in der Financial Times Deutschland ergab, dass 70% deren Leser nicht an eine Energiewende glauben oder diese nur unter starken Schmerzen für realisierbar halten. Dieser Unglaube mag durchaus dem chaotischen Agieren der Entscheidungsträger geschuldet sein.
Die Fehltritte einer – nur scheinbar –  grünen Politik sind in vielen Bereichen bereits unübersehbar und der eine oder andere “Schwindel” ist beim Bürger längst angekommen.
Im Chor der Gläubigen singt leider auch der Bundesverband des Bund Naturschutz, der sich zunehmend bereit erklärt wertvolle Naturräume einer fehlgeleiteten Energiewende zu opfern. Sich die Energiewende gar selbst auf seine Fahnen schreibt, ohne den Nutzen für Natur und Umwelt fachlich zu hinterfragen. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, wann sich die Kreisverbände fragen, ob das noch mit der Vereinssatzung und ihren ureigenen Zielen vereinbar ist.

4 MW Strom für die Welt

Wie kommt ein Dorf  mit nur 500 Haushalten auf die Idee nicht nur seine – auch für den Tourismus wichtige – Natur für “groben Unsinn” zu opfern, sondern auch noch davon zu träumen ein Stromnetz zu erwerben, mit dem der private Betreiber des “Groben-Unsinns-Kraftwerks” der Welt den so erzeugten Strom zur Verfügung stellen soll? Ein Dorf als Netzbetreiber für maximal 4 MW Strom für die Welt? (Die Leistung eines einzigen Windrads)

Wer nur den Glauben hat, wohnt oft nah beim Irrsinn, fällt mir dazu nur noch ein!

Alojera besitzt ein Windrad. Ganz oben auf dem Berg an der Wetterscheide und nah am stetigen Wind vom Meer. Das rein landwirtschaftlich geprägte Städtchen profitiert von dieser Investition. Stromsicherheit ist hier allerdings nicht mit inbegriffen. Allzuoft schenkt Kerzenlicht dem Abend ein romantisches Flair.

Doch wieviel Romantik kann sich ein hochindustrielles Land wie Deutschland leisten?
Nach der Bundesregierung zu urteilen, gar keine. Denn die chaotische Energiewende verläuft ohne die energieintensive Grossindustrie. Die 300 grössten Stromverbraucher wurden von den Lasten des EEG befreit. Je mehr Energie diese verbrauchen, desto preiswerter wird deren Strom. Finanziert wird das EEG von dem kleinen Bürger. Vom Hartz4-Empfänger ebenso wie von der Rentnerin, die sich den Strom kaum noch leisten kann. Und vor allem von den vielen Kleinbetrieben, die das Gros der Arbeitsplätze in Deutschland stellen.

Dezentralisierung der Versorgungssicherheit ist eine Frage der Kassenlage in den Gemeinden und des wohlüberlegten Handelns. Doch an beidem mangelt es. Stattdessen werden Gemeinden in Richtungen getrieben (Planwirtschaft), die zwar zur Überschuldung, aber keinesfalls in die Unabhängigkeit führen.
Diese Unabhängigkeit scheint auch nicht erwünscht, sondern Slogans wie “Dezentralisierung” und “regionale Wertschöpfung” dienen nur politischen Interessen und haben kaum irgendeinen Bezug zur Realität.

Ausnutzung bereits bestehender Infrastruktur
Mit der Ausnutzung bereits bestehender Infrastruktur kann sowohl zusätzlicher umweltfreundlicher Strom, als auch Wärme erzeugt werden. In Kombination mit wenigen Stellschrauben zur Einsparung könnten grössere und preiswerte Erfolge erzielt werden. Solange aber alles Geld in uneffektive, unsichere und unausgereifte Technik verschleudert wird, ist eine Wende in der Energiepolitik in weiter Ferne oder bereits gescheitert.

Nur 20 % unseres Energiebedarfs sind Strom!
Was die Tiefe Geothermie zur Stromerzeugung betrifft, so ist diese allerdings keine neue Technik, sondern ein alter Hut dessen Mängel im geologisch kalten Deutschland allgemein bekannt sind. Was die Politik  dazu treibt, die Subventionen für diesen “groben Unfug” immer weiter zu erhöhen, bleibt dem Fachmann unbegreiflich. Hier wird keine neue Technik gefördert, sondern ein kleiner Kreis von Profiteuren der Fehler im EEG für 20 Jahre subventioniert! Oft fliessen die Gelder an Banken und in Holdinggesellschaften im steuerlich attraktiveren Ausland. Einen Beitrag zum Strombedarf in Deutschland können diese Kraftwerke nicht leisten. Der hohe Eigenenergieverbrauch, der aus Industriestrom gedeckt werden darf, führt auch nicht zu einer Reduktion der Atom- und Kohlekraftwerke, sondern bietet die Möglichkeit, diesen “reinzuwaschen” und als Biostrom zu verkaufen.
Diese extrem teure Technik kann allenfalls einen Beitrag zur Wärmeversorgung in Ballungsräumen liefern. Wie bei jedem Fernwärmenetz muss hierzu aber eine ausreichende Anzahl von Wärmenutzern in der Nähe vorhanden sein.

Regina Fischer-Jech
Pressesprecherin des Naturschutzvereins BI Schutz Westufer Starnberger See e.V.
und der BIF UNAE, BI für umweltverträgliche und nachhaltige Nutzung alternativer Energiequellen
www.alternative-energiequellen.info

Related posts

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Howdy,
Categories
Translate