Nachweis erbracht: Mechanismus der Gebäudebeheizung auf Basis der Tiefengeothermiebohrung ist nicht wirtschaftlich

Das Hauptproblem der Geothermie seien die «begeisterten Dilettanten»
Professor Frieder Häfner, bis 2007 Direktor des Instituts für Bohrtechnik und Fluidbergbau der Technischen Universität Bergakademie Freiberg:
Einer meiner Kollegen hat einmal gesagt, das Hauptproblem der Geothermie seien die «begeisterten Dilettanten». Bundes- und Landesregierungen fördern bis heute ähnliche Projekte, die ihnen von solchen Wissenschaftlern als innovativ verkauft werden. Das Streben nach «Drittmitteln um jeden Preis» ist weit verbreitet, gerade auf dem Sektor der regenerativen Energien im Zeitalter der Energiewende. Vielleicht hilft die ungeschminkte Veröffentlichung der negativen Ergebnisse von SuperC und dieses Interview, die Gutachter kritischer zu machen und die Geldgeber anzuhalten, weniger begeisterte, aber sachkundige Wissenschaftler nicht zu übergehen. 

Nachweis erbracht: Mechanismus der Gebäudebeheizung auf Basis der Tiefengeothermiebohrung ist nicht wirtschaftlich

Von Axel Borrenkott | 24.08.2011, 06:05

Erdwärme für das SuperC: Der Leuchtturm der Forschung

Aachen. Das Gebäude «wird über einen geschlossenen Wasserkreislauf gekühlt und beheizt. So wird jährlich der Ausstoß von über 130 Tonnen Kohlendioxid vermieden. Die 450 Kilowattleistung der Anlage entspricht einem jährlichen Bedarf von 200 Einfamilienhäusern». Das mit dem geschlossenen Wasserkreislauf stimmt.

Es kommt in Wirklichkeit nur weit weniger dabei herum als der Prospekt behauptet, der noch immer im Foyer des SuperC verteilt wird. So einiges hat nicht geklappt beim Vorzeigebau der RWTH. Und die Nutzung von Erdwärme aus der 2,5 Kilometer tiefen Bohrung hat die hoch gesteckten Erwartungen erst recht nicht erfüllt. Die RWTH möchte das Millionen-Loch dennoch als «Leuchtturmprojekt» gewertet wissen: wegen der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Eine wirtschaftliche Energieversorgung sei nie das eigentliche Ziel gewesen. Das hörte sich aber mal ganz anders an.

Nachweis erbracht: Mechanismus der Gebäudebeheizung auf Basis der Tiefengeothermiebohrung ist nicht wirtschaftlich© dpa

«Hinter der gläsernen Hülle der zukunftsweisenden Architektur verbirgt sich auch faszinierende Hightech. Das SuperC wird durch Erdwärme beheizt, die im Rahmen eines Forschungsprojekts für diesen Zweck nutzbar gemacht wurde. Damit wollen wir als einzige Technische Hochschule Deutschlands einmal mehr ein Zeichen setzen für die ebenso ökologische wie ökonomische Ausrichtung richtungweisender Forschung.»

Ob der sonst so kühle Mathematiker Burkhard Rauhut im Jahr 2001 wenigstens geahnt hat, dass er seiner Zeit noch viel weiter voraus war als diese vollmundige Ankündigung ohnehin demonstriert? Wohlgemerkt: Es heißt, fünf Jahre vor Baubeginn, nicht «soll» oder «könnte» sondern: «wird beheizt».

Jedenfalls ging der damalige Rektor der RWTH mit solchen Sätzen auf Spendenfang für das künftige Wahrzeichen der Hochschule. «Helfen Sie uns, das SuperC zu verwirklichen. Sie investieren damit in die Zukunft», wirbt eine Broschüre prominent mit der Nutzung der Erdwärme.

Immerhin 5,5 Millionen Euro steuerten die Spender zu den am Ende gut 23 Millionen Euro Baukosten bei. Ein Teil davon wurde jüngst vom Landesrechnungshof als überteuert moniert, was mit dem Tiefengeothermieprojekt aber nichts zu tun hat. Das wurde mit Fördermitteln des Landes NRW (2,49 Millionen Euro), der EU (1,45 Millionen) und einem Eigenanteil der RWTH von 1,69 Millionen Euro finanziert.

Während damals die mehrfache Hervorhebung von «Forschung» die Legitimation des Vorhabens offenkundig erhöhen sollte, scheint der RWTH nun eher daran gelegen, das Ganze semantisch zum Forschungsprojekt herabzustufen. Wie sonst soll man die Überschrift der offiziellen Verlautbarung der Hochschule deuten, unter der am 18. Juli das relativ magere Ergebnis verkündet wurde: «Jüngster Bericht im Rahmen des Forschungsprojekts am SuperC dokumentiert neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Tiefengeothermie»?

Dass demnach der Nachweis erbracht wurde, «dass der dem hier erprobten Konzept zugrunde liegende Mechanismus der Gebäudebeheizung auf Basis der Tiefengeothermiebohrung nicht wirtschaftlich ist», dass dies ein «ernüchterndes, aber überaus wichtiges Resultat» für die Geothermiebranche sei, und dass es «gelang, eine derartige Tiefbohrung mitten in einer deutschen Großstadt zu verwirklichen»: Das alles mag in der Tat eine «wesentliche Erkenntnis» von Forschung sein, an deren Kosten sich wohl auch niemand gestoßen Nur hatte die RWTH selbst die Latte der Erwartungen so hoch gelegt – und dort liegen lassen.

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