Novo Argumente: "Die Energiewende ist schon gescheitert"

Die Energiewende wird spektakulär scheitern. Internationale Experten wissen das längst. Hierzulande wird diese Realität verleumdet – auf Kosten der Armen: Die Politik macht Energie zum Luxusgut

Wie man weiß, hat sich im Frühjahr und Frühsommer 2011 die sogenannte Energiewende zugetragen – in Rekordzeit durch das Parlament gepeitscht, als ob Deutschland unmittelbar ein Tsunami drohte. Jetzt, wo sich die ersten Auswirkungen und Fehler dieses Gesetzeswerkes zeigen, die Methoden ihrer Kaschierung offenkundig werden und nun auch Reaktionen aus dem Ausland vorliegen, kann man eine Diagnose der sogenannten Energiewende versuchen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Übertreiben, Beschönigen, Weglassen, Verschweigen
  2. Windstrom – Versorgung nach Wetterlage
  3. Solarstrom – geringer Nutzen für sehr viel Geld
  4. Biogas: Wenn Nahrungsmittel verheizt werden
  5. Jenseits der Planwirtschaft: Entschädigung für die Nicht-Erzeugung von „Ökostrom“, Verpflichtung zur Hellseherei und „negative Preise“
  6. Die zweimal vergessenen Netze
  7. Schäden umverteilen
  8. Das stille Ende großer Ankündigungen
  9. Das Prinzip Hoffnung als Realitätsersatz
  10. Fehlinvestitionen: Die Förderung des Ungeeigneten
  11. Die Geister, die man gestern rief…
  12. Deutschlands Energiewende bedroht die Nachbarländer
  13. Für die Bürger wird es immer teurer
  14. Ein internationales Urteil
  15. Die Energie-Planwirtschaft ist längst Realität
  16. Wie geht es weiter?

Auszüge:

9. Das Prinzip Hoffnung als Realitätsersatz

Ein von der Politik schon immer eingesetztes Mittel zur Stärkung der Überzeugungskraft von Plänen ist die Projektion von Verheißungen, das Versprechen von neuen Möglichkeiten, wozu sich insbesondere die Schilderung von neuen technischen Lösungen sehr gut eignet, weil hierbei die rasche Nachprüfung durch die Bürger entfällt und auch die Medien erfolgreich als Werbeträger eingesetzt werden können. In keinem anderen Sachbereich wird von dieser Methode derart viel Gebrauch gemacht, wie bei der Energieversorgung. Und je ungewisser den Verkündern neuer Pläne die Erfolgschancen erscheinen, umso mehr arbeiten sie mit Visionen, Hoffnungen und Versprechungen.

Die am meisten benutzte Methode ist die Beschreibung von tatsächlich noch nicht fertig entwickelten Techniken als in Kürze sicher und erfolgreich einsetzbar. Die Begründungsversuche für die sog. Energiewende stützen sich ganz erheblich auf derartige Beispiele. Ihre Merkmale sind:

  • Verschweigen des noch verstreichenden Zeitraums bis eine ausgereifte Technik entwickelt ist; statt dessen Erwecken des Eindrucks kurzfristiger Verfügbarkeit.
  • Unterschlagung wichtiger Leistungsziffern, insbesondere Wirkungsgrade bzw. Verluste sowie Kosten – z.B. die Investitionskosten pro geleistetem Kilowatt an Leistung und die Kosten einer erzeugten Kilowattstunde.
  • Verschleierung der für bestimmte Techniken vergebenen Subventionen bzw. Zwangsabgaben und deren Auswirkung auf die Verbraucher.
(…) Geothermie-Kraftwerke zur Stromerzeugung. Die äußerst geringe Temperaturdifferenz, mit der diese Wärmekraftanlagen arbeiten müssen (ca. 140 Grad Celsius), führt zu einem kläglich kleinen Wirkungsgrad, der fast immer verschwiegen wird. Erstmals wurden im Herbst 2011 in einem Fachbericht über das geplante „petrothermale“ Kraftwerk in Munster-Bispingen (Lüneburger Heide) die interessanten Zahlen genannt:
Thermalwassertemperatur 160 Grad Celsius;
thermische Leistung 14,7 Megawatt;
elektrische Leistung 1,2 Megawatt.
Elektrischer Wirkungsgrad somit trotz relativ hoher Temperatur des Thermalwassers nur 8,2 Prozent.
Das heißt: Sehr wenig elektrische Leistung für sehr hohe Investitionskosten, die hier 43 Millionen Euro betragen; somit 36.000 Euro für ein Kilowatt elektrische Leistung. Zum Vergleich: Ein Kilowatt eines Kohlekraftwerks kostet 1140-1480 Euro; selbst bei einer kleinen Haus-Blockheizanlage kostet ein Kilowatt 3700-7500 Euro. Stromerzeugung mit Geothermie ist also extrem unrentabel. Nur als Fernheizung hat es Sinn.

10. Fehlinvestitionen: Die Förderung des Ungeeigneten

Die ideologische Überbewertung der Stromerzeugung durch alle sogenannten erneuerbaren Energiequellen und die Vernachlässigung der Nutzung dieser Energiequellen für die Wärmeerzeugung führte zu einer extremen Fehlsteuerung, deren Antriebsmaschine das EEG-Gesetz ist. Milliarden Euro werden den Verbrauchern abgenommen und in unzuverlässige, unrentable und im Falle der großtechnischen Biogasproduktion sogar umweltschädliche Investitionen geleitet, die im Falle von Windkraft und Solarstrom nicht etwa der sicheren Stromversorgung dienen, sondern sie im Gegenteil noch gefährden. Anstatt diese gigantische Fehlinvestition zu beenden, wird sie verstärkt fortgeführt – siehe die Energiewende-Schwerpunkte – und zur Schadensbegrenzung sollen weitere Milliarden für einen zuvor unnötigen gewaltigen Netzausbau und für die verschiedensten Stromspeicherkonzepte ausgegeben werden, von denen die meisten wegen extremer Kosten und ebenso extremer Verluste wohl Papier bleiben werden.

Das Problem für die Regierung, die Derartiges mit Steuergeld unterstützt, ist die Physik.
Sie ist weder durch Programmpapiere, noch durch Sonntagsreden oder Einweihungszeremonien zu beeinflussen. Der einzige politisch nützliche Effekt derartiger Projekte ist ein positives Medienecho und ein kleiner Zeitgewinn – bis zur unausweichlichen Pleite, über die aber nicht mehr berichtet wird. Das scheint die Steuergelder wert zu sein.

Eine ernsthafte und ehrliche Energie- und Umweltpolitik
hätte die physikalisch-betriebswirtschaftliche Sackgasse der Stromerzeugung aus ungeeigneten Quellen vermieden und die regenerativen Energiequellen für den Wärmemarkt erschlossen: Solarthermie mit Langzeitspeichern und die Nutzung von Erdwärme mittels Wärmepumpen hätten eine konsequente und wirkungsvolle Förderung verdient, was niemals geschehen ist. Auch die Fernwärmenutzung aus tiefen Erdschichten – an Stelle absurd unrentabler Geothermie-Kraftwerke (siehe Absatz 9) – und die ausschließliche Biogaserzeugung aus verwertbaren Abfällen und nicht aus Feldfrüchten wäre Bestandteil jener Politik. Die Reihe der Beispiele für eine intelligente Verbesserung der Wärmebereitstellung ließe sich noch lange fortsetzen. Und das würde direkt die teuren fossilen Öl- und Gasimporte treffen. (…)

Günter Keil war als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU München / Fraunhofer Gesellschaft sowie im Bereich Projektförderung beim Bundesforschungsministerium tätig. Heute lebt er als freier Autor in Sankt Augustin. 

Zur ganzen Diagnose: Novo Argumente

(Anmerkung: Nur ca. 20% des Energiebedarfs in Deutschland besteht aus Strom.)

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