Rohstoff-Roulette in Deutschland / Fragwürdige Fördertechnik

„Mit neuen Fördermethoden wollen Energiefirmen Erdgas aus dem Boden pressen. Dabei werden gefährliche Chemikalien eingesetzt. Die Regierung berauscht sich an den Chancen der Technik – und blendet Umweltrisiken aus.“ berichtet Der Spiegel

„In mehreren Bundesländern haben Energieunternehmen, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, ein Wettrennen um die besten neuen Gasvorkommen gestartet.“

Die Methode, in die die Energieindustrie so große Hoffnungen setzt und die hierzulande schon testweise angewendet wurde, heißt unkonventionelle Gasförderung. Damit lässt sich der wertvolle Rohstoff selbst dann fördern, wenn er in kleinen, abgeschotteten Zwischenräumen verstreut ist. Zur Förderung bohren die Konzerne mehrere Kilometer tief ins Gestein und dann horizontal in mehrere Richtungen weiter.

„Dabei wird eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien ins Bohrloch gepresst. So werden künstlich Risse im Gestein erzeugt, durch die das Gas später abgesaugt werden kann.“

„… Auch wenn sich von diesen Vorräten letztlich nur ein Teil zu wirtschaftlichen Bedingungen fördern lässt: Die Konzerne hoffen auf Milliardeneinnahmen – und haben damit begonnen, weltweit aussichtsreiche Fördergebiete zu erforschen. Auch in der Bundesrepublik. …“ berichtet der Spiegel

Der Wasserfrac (hydraulic fracturing) ist eine Stimulationsmaßnahme bei der künstliche Risse mit Hilfe von geringviskosen Fluiden bei hohen Injektionsraten erzeugt werden: Wasser oder andere gering viskose Flüssigkeiten werden unter hohem Druck über eine Bohrung in den Untergrund verpresst. Durch die Druckverhältnisse und die im Gebirge vorherrschenden Spannungen werden künstliche Risse im Gestein erzeugt.

„Regierung träumt von Förderboom

Die Vorstellung, dass in der Bundesrepublik bald Millionen Kubikmeter frisches Gas gefördert werden könnten, lässt nicht nur Unternehmen träumen – sondern auch Politiker. Die Bundesregierung sieht „sehr große“ Potentiale….“

Der Spiegel berichtet über Umweltrisiken:
Luftverschmutzung durch giftige Gase, gesundheitsschädigende, krebserregende Stoffe beim Fracturing, Atemwegserkrankungen
und verweist zudem auf den Film „Grasland„, der sich mit den ökologischen Folgen der US-Gasschwemme befasst.

„Auch die deutsche Regierung erkundet derzeit nur die Potentiale der neuen Fördermethode – aber nicht deren Umweltrisiken. Derzeit lägen „keine Erkenntnisse“ dazu vor, teilte sie auf Anfrage der Grünen mit. …“

„… Die von der Regierung beauftragen Forschungsinstitute haben sich mit dem Thema Umwelt ebenfalls noch nicht beschäftigt. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) erforscht Gesteinsformationen auf mögliche Gasreservoirs, bei denen unkonventionelle Gasförderung eingesetzt werden könnte.
Umweltrisiken müsse die Wirtschaft den zuständigen Behörden selbst darlegen, sagt Harald Andruleit vom BGR. …“
Auch das Geoforschungsinstitut Potsdam habe die Umweltrisiken bisher nicht erforscht.

Exxon pumpt schon Chemikalien in den Untergrund

„… Dabei seien auch Chemikalien eingesetzt worden. Die Konzentration der Flüssigkeiten könne er „aus Wettbewerbgründen“ nicht nennen. Sie sei „das bestgehütete Rezept einer jeden Gesellschaft“.
Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Niedersachsen gibt ebenfalls keine Auskunft, über die Chemikalien, die Exxon beim Probe-Fracing verwendet hat. Nach spiegel-online-Informationen liegt dem Amt eine Liste der verwendeten Stoffe vor. Darunter befinden sich solche, die als wassergefährdend eingestuft werden. Der Behörde ist zudem nicht bekannt, von welchem Stoff wie viel eingesetzt wird.

„Ahnungslosigkeit der Behörden“

„Der Energieberater Werner Zittel merkt allerdings an, dass der bei der Förderung entstehende Druck „teils sehr hoch ist, so dass Risse und Brüche in der Ummantelung entstehen können“. Es sei „somit nicht ausgeschlossen, dass Chemikalien und auch Gas ins Grundwasser gelangen können“. Tatsächlich fanden US-Behörden nach unkonventionellen Bohrungen zum Teil Gas und Chemikalien im Grundwasser.

Die genaue Prüfung dieser Vorfälle steht noch aus, doch schon jetzt ist klar, dass die Umweltrisiken der neuen Fördermethoden genau untersucht werden sollten. Die Bergämter jedenfalls dürfte das Thema bald öfter beschäftigen. Denn noch andere Unternehmen planen Testbohrungen und den Einsatz von Chemikalien.

Der Grüne-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer wirft der Regierung Untätigkeit vor. „Bei offensichtlicher Ahnungslosigkeit der Behörden sind in Deutschland Unternehmen längst aktiv“, moniert er. Die Unternehmen teilen diese Einschätzung. BNK-Petroleum-Chef Regener sagt, bei seinen Gesprächen mit den Bergämtern „haben manche Mitarbeiter uninformiert gewirkt“.

Bericht in Spiegel online von Stefan Schultz

Aufweichung umweltpolitischer Restriktionen

Tatsächlich haben weniger technologische Durchbrüche als vielmehr die Aufweichung umweltpolitischer Restriktionen zusammen mit den gestiegenen Gaspreisen zu dem Boom der letzten Jahre beigetragen. So wurde bereits 1949 von der Firma Halliburton die erste Hydro-frac-Bohrung durchgeführt. Es handelt sich also keineswegs um eine neue Technologie. Die „Innovation“ liegt vor allem in der breiten Anwendung des Prozesses, nachdem sich die angesprochenen Randbedingungen änderten. Daraus lässt sich umgekehrt ableiten, dass dieser Boom sehr schnell an ein Ende kommen wird, wenn sich aus welchen Gründen auch immer die umweltpolitischen Rahmenbedingungen wieder den vorher gültigen Regularien annähern.

Zur Kurzstudie „Unkonventionelles Erdgas“ (PDF), Mai 2010
von Dr. Werner Zittel

Rohstoff-Roulette in Deutschland / Fragwürdige Fördertechnik

Hauptsache es wird gebohrt

Boom für  Bohrfirmen & co – Tiefbohrungen

„Unkonventionelle“ Gasförderung – Hydraulic Fracturing
Tiefe Geothermie: Chemical Fracturing (Säurestimmulation), Hydraulic Fracturing
Hydrothermale Kraftwerke nur eine Brückentechnologie…
CO2 Verpressen im Untergrund…

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: „Umweltrisiken müsse die Wirtschaft den zuständigen Behörden selbst darlegen“

Erdöl-, Erdgas- und Geothermiebohrungen – Chemical Fracturing
Die hydraulische Stimulation (Hydraulic Fracturing)  stellt nur eine der möglichen Stimulationsverfahren dar.
So sind auch in Deutschland Drucksäuerungen ein häufig eingesetztes Stimulationsverfahren zur Verbesserung und/oder der Wiederherstellung der primär vorhandenen Leistungsfähigkeit von Erdöl-, Erdgas- und Geothermiebohrungen.
Durch das Einpressen von Säuren können nicht nur bohrlochnahe Fließwiderstände (z.B. Rückstände des Bohrkleins) beseitigt werden, sondern es können auch tiefer in das Gebirge reichende Wirkungen (z.B. Klufterweiterungen) erreicht werden.

Erdöl-, Erdgas- und Geothermiebohrungen – Hydraulic Fracturing

Film-Trailer 2010: Gasland – Die Auswirkungen von Hydraulic fracturing (fracking) bei der Gasförderung

Zur Kurzstudie „Unkonventionelles Erdgas“ (PDF), Mai 2010
von Dr. Werner Zittel

Exorka-Geschäftsführer Curd Bems (Tiefe Geothermie): “Der Fachwelt sei schon immer klar gewesen, dass die hydrothermalen Systeme, bei denen heißes Tiefenwasser gefördert wird, quasi nur eine «Brückentechnologie» darstellen, bis petrothermale Systeme sicher und wirtschaftlich hergestellt werden können…”
HDR – Ab durch die Molasse – lesen

R.F-J.

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