Tiefe Geothermie – Geothermiekraftwerk Landau vor dem Aus?

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Kühler Abschied von der Erdwärme

Die Landauer Stadtspitze geht auf Distanz zum Geothermiekraftwerk. Ihr Misstrauen drückt sie in einer Resolution aus, die der Stadtrat am kommenden Dienstag beschließen soll. Darin wird das Land aufgefordert, eine dritte Bohrung nicht zu genehmigen und das Werk mittelfristig stillzulegen.

Der Betrieb der Erdwärme-Anlage in der Eutzinger Straße sei von Beginn an mit Problemen behaftet gewesen, heißt es in der Resolution, die der Stadtvorstand dem Rat auf den Tisch legen wird. Die aktuellen Ereignisse bestätigten die Probleme beim Dauerbetrieb der Anlage. Deshalb solle das Land gemeinsam mit dem Betreiber, der Firma Daldrup, ein verbindliches Ausstiegsszenario erarbeiten. Das Land dürfe die beabsichtige dritte Bohrung nicht genehmigen, „da die Unwägbarkeiten hierdurch nur vergrößert werden“.

Das Bundesumweltministerium hatte 2012 für diese Bohrung Forschungsgelder von 4,3 Millionen Euro zugesagt. Nach dem Eigentümerwechsel von Energie Südwest und den Pfalzwerken zu Daldrup und Söhne AG ließ der Bund offen, ob er weiter zur Förderzusage steht.

Tiefe Geothermie – Geothermiekraftwerk Landau vor dem Aus?

Risse vor dem Kraftwerk. Foto: Iversen

Die Geländeveränderungen im Stadtgebiet ließen auf das Kraftwerk als Verursacher schließen, waren sich in der vergangenen Woche die Experten der Landesbehörde einig. Ergebnisse der Untersuchungen in den beiden Bohrlöchern lagen aber auch gestern noch nicht vor. Heute würde man für ein Kraftwerk einen Standort mit größerem Abstand zu Wohnhäusern wählen, glaubt der Stadtvorstand.

Die Geländeveränderungen haben fast flächendeckend an Dynamik verloren, seit das Geothermiekraftwerk abgeschaltet wurde.

Der Boden im Landauer Süden hat sich mittlerweile beruhigt, in weiten Teilen der Stadt sind die Werte stabil. Das meldete gestern Nachmittag die Stadtverwaltung Landau, nachdem das Landesamt für Geologie und Bergbau bereits am Mittwoch von deutlichen Bodensenkungen gesprochen hat (wir berichteten gestern auf der Seite „Südwestdeutsche Zeitung“).

In dieser Woche seien erneut Vermessungsarbeiten im Wohnpark am Ebenberg, in der Südstadt und auf dem zukünftigen Landesgartenschaugelände erfolgt, so die städtische Pressemitteilung gestern. „Es ist festzustellen, dass seit den letzten Messungen die Geländeveränderungen fast flächendeckend an Dynamik verloren haben. Insbesondere in der Südstadt sowie im nördlichen und westlichen Bereich des Wohnparks am Ebenberg haben sowohl horizontal als auch vertikal keine Bewegungen stattgefunden“, hieß es.

Die Pressestelle spricht sogar davon, dass sich die horizontalen Geländeveränderungen rund um das Geothermiekraftwerk an fast allen Punkten umgedreht hätten. „Haben die letzten Messungen noch ergeben, dass sich das Gelände vom Kraftwerk weg bewegt, hat sich dies nun gedreht und das Gelände hat sich um ein bis drei Zentimeter in Richtung des ursprünglichen Zustandes zurückbewegt.“ Bei der Informationsveranstaltung für die Baugruppen vor wenigen Tagen hatte die Stadt Kartenmaterial vorgelegt, das die Bewegungsrichtung des Bodens zeigte. Das Geothermiekraftwerk wie bei einer Kompassrose im Mittelpunkt, führen die Bewegungspfeile nun auf das Werk zu.

Die Höhenpunkte sind mit zwei Ausnahmen stabil, wie die Experten vermelden: „Der Punkt am nördlichen Eingang zum Kraftwerk hat sich in den letzten 14 Tagen um 28 Millimeter gesenkt, der Punkt am Gebäude 111 im Wohnpark hat sich hingegen im selben Zeitraum um neun Millimeter gehoben – dies liegt geringfügig über der Hebungsrate des Vormonats.“ Da alle anderen Höhenpunkte im Kasernengelände stabil seien, richte sich der Fokus der Untersuchung nun auf den Punkt am Gebäude 111.

„Ich bin erleichtert. Unsere Vermessungsdaten bestätigen den unmittelbar nach Abschaltung des Geothermiekraftwerkes erkennbaren deutlichen Rückgang der Anhebungen“, bewertete Oberbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer (SPD) diese Entwicklung. Er sagt aber klar: „Störungen dieser Art sind für unsere Bürgerschaft nicht akzeptabel.“ Selbst wenn diese Probleme technisch behoben würden, sei für die Zukunft nicht ausgeschlossen, dass es zu erneuten Störund Schadensfällen komme, erklärt der OB die Haltung des Stadtvorstandes. (sas)

— Die Karten mit den Messwerten sind auf der neuen Internetseite der Stadt einsehbar: www.bodenhebungen-landau.de.
— Der Stadtrat tagt am Dienstag, 1. April, 17 Uhr, im Rathaus.

Howdy,
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