„alternative-energiequellen.info“ ist die Online-Zeitung der Bürgerinitiative BIFUNAE, die sich zum Schutz des Westufers am Starnberger See gegründet hat und sich dort auch mit den Gefahren durch das geplante Tiefen-Geothermie-Kraftwerk Bernried / Höhenried auseinandersetzt.

Tiefen-Geothermie zur Stromerzeugung / Zusammenschnitt

Benachrichtigung

Aus dem Vortrag der “BIF UNAE” / “BI Schutz Westufer Starnberger See e.V.” für die “Münchner Umweltakademie” zu „Mutbürger für Energiewende!“, 15. Dezember 2011

Unser Thema ist die Tiefengeothermie und hier insbesondere die Stromerzeugung aus Tiefer Geothermie.
Wir unterstützten umweltfreundliche Energien, die über Generationen hinweg nutzbar sind, aber nicht zu Lasten der Natur und des Menschen gehen. Energieformen, die nur aus finanziellen Interessen und gegen den Willen der Bürger politisch durchgesetzt werden sollen, lehnen wir entschieden ab. (…)

Die Energiewende wird scheitern, wenn sie unbezahlbar wird und in der Bevölkerung keine Akzeptanz findet!

Vom Unsinn der Tiefen-Geothermie zur Stromerzeugung als Teil einer Energiewende – Zusammenschnitt / Übersicht:

Tiefen-Geothermie zur Stromerzeugung

Aktueller Stand der Stromerzeugung aus Tiefer Geothermie in Deutschland

6 Geothermie-Kraftwerke in Deutschland, die Strom erzeugen können.
Davon sind 2 Kraftwerke ausser Betrieb und nur 2 können überhaupt nennenswert Strom erzeugen. (Unterhaching und Landau)

Dem gegenüber stehen noch 7 gescheiterte Projekte: Es wurde Öl gefunden, Bohrlochhaverien, nicht fündig oder Ergebnis unbekannt.

Geothermie-Kraftwerke erzeugen nicht nur Strom, sondern verbrauchen diesen auch. Und nicht zu knapp. Der Eigenverbrauch liegt zwischen 30 % und 70%.

Unterhaching verbraucht lt. Auskunft von Dr. Knapek von den 1,2 MWe, die es aktuell erzeugen soll,1 MWe für den Kraftwerksbetrieb selbst. Im Letzten Jahr war im ZDF noch die Rede von 68% Eigenverbrauch für Pumpen und Anlagentechnik.

Alle bestehenden Kraftwerke speisen also ca. 1,2 MW Strom in das allgemeine Netz. Davon Bayern 0,2 MW. Lt. Agentur für Energiebilanzen e.V hat die Geothermie in 2010 und in 2011 überhaupt keinen Strom ins Netz eingespeist. Photovoltaik konnte 2011 um 57,8% zulegen, Wind um 20,2%

Zum Vergleich: ein einziges Windrad an Land kann heute bis zu 7,5 MW Strom erzeugen.

Kostenvergleich

Einen Kostenvergleich sehen Sie hier. Denn auch an den Kosten kann die Energiewende scheitern.

Innovativ?

Die Bohr-Technik stammt aus der Öl- und Gasindustrie und lässt kaum noch eine Lernkurve vermuten. Dies stellt auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen fest, der die Tiefe Geothermie nur dann für eine Option hält, wenn wir in Deutschland unseren Energiebedarf in den kommenden Jahren noch einmal deut- lich steigern würden.

Das Grösste Potenzial liegt aber im Energiesparen an sich- nämlich 40% des Energieverbrauchs. Die Zukunft werden 0- oder Plus-Energiehäuser sein, intelligente Stromnetze und Speichertechnik.

Warum also Strom aus Tiefer Geothermie?

Das EEG lässt zu, dass der hohe Eigenstromverbrauch der Kraftwerke aus Industrie-Strom (meist Kohle- oder Atomstrom) zugekauft und als teurer Ökostrom mit 25 cent/kWh verrechnet werden darf.
Abhängig von der Höhe des Eigenbedarfs und des Industriestrompreises ergibt sich daraus eine Nettovergütung von ca. 33 – 69 cent/KWh für den Strom aus tiefer Geothermie, der dem Netz tatsächlich zusätzlich zur Verfügung gestellt wird. So kann auch bei miserabler Brutto-Nettobilanz Geld gemacht werden und der kleine Bürger zahlt die Rechnung. Ein Bilanzierungstrick der zunächst ausländische Investoren anlockt.
Das Risiko für die Investoren ist gering: So vergibt die KFW Bank nicht nur günstige Kredite, sondern sichert auch das Bohr,- bzw. Fündigkeitstrisiko ab.

Garantierte Einspeisevergütung der Bruttostrommenge über 20 Jahre mit dem höchsten Satz.
Der Unterschied zu Wind, Sonne und Wasser – diese speisen den produzierten Strom ein und verbrauchen ihn nicht.

Begründung aus Politik und Lobby?

Grundlastfähigkeit?

Grundlastfähigkeit setzt eine Stromsteuerung voraus.
Bei wärmegeführten Kraftwerken wie Unterhaching kann man schon aus diesem Grund nicht von ei- ner Grundlastfähigkeit sprechen. Denn dort wird nur dann Strom produziert, wenn wenig oder keine Heizwärme benötigt wird (z.B. im Sommer, wenn auch Photovoltaik-Anlagen viel Strom produzieren).
Zudem variiert die produzierbare Strommenge in Abhängigkeit zur Witterung um über 30%. Je wärmer das Wetter, desto geringer der Wirkungsgrad.
Ein nennenswerter Beitrag zur Grundlast ist also kaum zu erwarten.

CO2-neutral ?

Bei der schön gerechneten CO2-Billanz ist mehr als nur ein Mangel zu entdecken.

• Bei dieser muss die lange Bohr- und Bauzeit Geothermischer Kraftwerke einbezogen werden, die mit grossen Mengen CO2-Emissionen einhergeht.
• Naturzerstörung, z.B. im Moorgebiet am Starnberger See entlassen ebenfalls grosse Mengen bisher gebundenem CO2.
• Und dann erfolgt über die Lüfter die Klimaerwärmung direkt.

90% der in den Stromgestehungsprozess geleiteten Wärme-Energie geht direkt als Abwärme in die Umwelt.

Abwärme nach geplanter Kraftwerksleistung in Bernried: Abwärmeenergie von ca. 9.000 Liter Heizöl pro Stunde

Bernried – Abwärmeberechnung
Zur Berechnung 

 

Nachhaltigkeit?

Abnahme der Thermalwassertemperatur

In der Darstellung wird gezeigt, dass die Temperatur des geförderten Thermalwassers im Laufe des Kraftwerksbetriebs abnimmt.

Die Stromproduktion aus Geothermie braucht hohe Förderraten von Wasser. In der oben stehenden Abbildung wird erklärt, wie nachhaltig ein Geothermie-Standort mit einer hohen Förderrate (unteres Diagramm “Flowrate“) betrieben wird. Die Anfangstemperatur des geförderten Wassers wird für diesen Standort auf 210°C geschätzt. (Bei uns werden maximal 150° in tiefen Bohrungen erwartet)
Die Temperatur des geförderten Wassers nimmt während des Betriebs ab (mittleres Diagramm „Production Temperature“). Die Stromproduktion, die von der Temperatur des geförderten Wassers direkt abhängig ist, geht im Laufe des Betriebs natürlich ebenfalls zurück (oberes Diagramm „Generation“).

Die Abbildung zeigt, dass die Stromproduktion nach 20 Jahren zwangsläufig enden muss. Der Grund ist, dass für die Stromproduktion Wassertemperaturen von mindestens 100°C benötigt werden.

Dies erklärt auch, warum die Stromerzeugung über einen Zeitraum von genau 20 Jahren mit dem höchsten EEG -Satz gefördert wird.
Allerdings halten auch die Bohrungen selbst nur ca. 15 Jahre. Dann muss neu gebohrt werden.

Der Wirkungsgrad bei der Stromerzeugung

… ist ausserordentlich gering.

Aus dem Bericht der Bundesregierung
über ein Konzept zur Förderung, Entwicklung und Markteinführung von geothermischer Stromerzeugung und Wärmenutzung:
„ Problematisch ist der niedrige Wirkungsgrad der elektrischen Stromerzeugung.
Er liegt bei etwa 10 bis 13%. (Anm.: Bei einer Temperatur von 100°C liegt der Bruttowirkungsgrad bei nur ca. 6 %.) Berücksichtigt man den Eigenbedarf der Anlagen für die Tiefwasserpumpe und den Kühlkreislauf ergibt sich ein – optimierungsbedürftiger – Systemwirkungsgrad von 5 bis 7%.“

Wir unterscheiden hier bei den Geothermie-Kraftwerken ebenfalls zwischen den bestehenden Heiz-Kraftwerken und den nun geplanen reinen Stromerzeugungsanlagen.
Denn der Wirkungsgrad von Geothermie-Kraftwerken verbessert sich bei gleichzeitiger Wärmeauslagerung.
Das setzt aber voraus, dass ausreichend Abnehmer für Wärme in der Nähe des Kraftwerks vorhanden sind.

Kraftwerkstechnik


Kraftwärmekopplung?

Stromerzeugung und Wärmenutzung sind im Grunde parallele Prozesse:

Strom
Im geologisch kalten Deutschland funktioniert die Stromerzeugung aus Tiefer Geothermie nur mit einem Medium, das bereits bei niedrigen Temperaturen verdampft.
Die Abwärme über die Lüfterkühlung kann u.a. wegen der niedrigen Temperatur nicht genutzt werden. So werden 90 % der Energie aus dem Stromgestehungsprozess ungenutzt an die Umgebung abgegeben.

Wärme
Nach dem Stromerzeugungsprozess bleibt eine Wassertemperatur, die kaum ausreicht, um ein Wärmenetz zu betreiben. Heisses Thermalwasser muss also vor dem Stromerzeugungsprozess abgezweigt werden, um die benötigte Temperatur von 90°C für ein Ferrnwärmenetz zu erreichen. Hier konkurrieren Stromerzeugung und Fernwärme um das heisse Thermal-Wasser.

Von einer echten Kraftwärmekopplung kann nicht die Rede sein.
Dafür werden Temperaturen von mindestens 220°C benötigt, die im geologisch kalten Deutschland nicht vorhanden sind.
(Bei Fernwärme muss zusätzlich ein konventionelles Kraftwerk für Spitzenlast und Ausfall vorhanden sein.)

Fernwärme weit ab von jeder Besiedlung?

– oder nur das grösste Geothermiekraftwerk Mitteleuropas zur Stromerzeugung?

Was das Fernwärmenetz grundsätzlich betrifft, so wurde nicht nur in dem 2000-Seelen-Dorf Bernried am Starnberger See etwas ganz Entscheidendes versäumt:

• Die Frage danach, ob für eine zersiedelte kleine Gemeinde mit nur 900 Haushalten überhaupt Bedarf für ein Fernwärmenetz besteht. Oder ob u.a. Bernried hier nur als Alibi für das grösste Geothermiekraftwerk Mitteleuropas zur Stromerzeugung steht!

Die Stadtwerke München hatten am Nachbarclaim Tutzing kein Interesse. U.a. weil die Besiedlungsstruktur für ein Fernwärmenetz nicht geeignet ist.

(In Unterhaching mit 22.000 Einwohnern kann Fernwärme dagegen u.U. sinnvoll genutzt werden. Das wärmegeführte Kraftwerk befindet sich dort nah bei den Abnehmern und in einem grossen Gewerbegebiet. Dort reduziert die anteilige Wasserkühlung die Lärmemissionen, die neben der Autobahn zudem weniger ins Gewicht fallen.)

U.a. weil über die Lüfter stromerzeugender Anlagen, wie im ländlichen Raum geplant, beachtliche Lärmemissionen entstehen, wollen Geothermie-Kraftwerksplaner ihre Kraftwerke zunehmend in unberührter Natur errichten und weit ab von jeder Besiedlung – weit weg von Bernried.

Wer aber Fernwärme plant, der befindet sich nahe bei den Abnehmern in einem Ballungsgebiet und nicht weit ab inmitten unberührter Natur!
Für zersiedelte dörfliche Regionen gibt es bedeutend preiswertere und effektivere Lösungen, die auch bereits von den Bürgern umgesetzt wurden und werden.

Kraftwerk im Schutzgebiet?

Für Tiere jeder Art ist das Rütteln im Boden, die Scheinwerfer, der Schwerlastverkehr und die extreme Lautstärke im 24-Stundenbetrieb, mitten im Schutzgebiet eine Katastrophe. Von 115 db/A an der Lüfterkühlung spricht hier das vom Betreiber in Auftrag gegebene Schallgutachten. (Eine Kühlung ist bei geothermischen Heizwerken nicht notwendig!) Unberücksichtigt die bis zu 2 Jahre andauernde Bohrzeit und die tiefen Frequenzen, die sich über die Pumpen und über das Erdreich sehr weit ausbreiten.

Zudem besteht Gefahr einer Boden- bzw. insbesondere Gewässerverunreinigung im sensiblen Gewässereinzugsgebiet Rötlbach (wichtigster Zufluss Westufer Starnberger See).

Ebenso Gefahr eines Moor- bzw. Torfbrands im Verbundsystem der Moore Diemendorfer Moos, Karpfenwinkel und Bernrieder Filz insbesondere durch 45.000 Liter explosivem Pentan im Kraftwerksbetrieb.

Das Bergrecht

Die Tiefe Geothermie fällt unter das Bergrecht. Teile der Reichsgesetzgebung sind auch heute noch Bestandteil des deutschen Bergrechts. Es räumt Bergbauvorhaben ohne gesellschaftliches Hinterfragen und größere juristische Abwägungen fatale Sonderprivilegien gegenüber Rechten der Betroffenen und der Natur ein.

Und wie auch in vielen anderen Sachfragen folgt die Politik auf Kommunaler, Landes- und Bundesebene den Empfehlungen der Lobby-Verbände.

 

Ohne den Mut-Bürger würde es die Energiewende gar nicht geben!

Was aber in Bernried mit der Ankündigung zur Aufsuchung nach heissen Quellen so harmlos begann, entwickelt sich nun zu einer Katastrophe für das Schutzgebiet Westufer Starnberger See. Es darf nicht passieren, dass die letzten Teile intakter Natur, Feucht- und Moorgebiete, Biotope und FFH- Flächen kurzfristigen Profiten zum Opfer fallen.

Die Bürger fordern eine ordentliche Bauleitplanung und ordentliche Umweltverträglichkeitsprüfungen, wie diese vom Gesetzgeber im Aussenbereich auch vorgesehen sind!

Es darf nicht sein, dass Unwissenheit und blinder Aktionismus in der Politik nicht nur die letzten naturnahen Gebiete in Deutschland gefährden, sondern auch durch fehlgehende Planungen die Energiewende mutwillig behindert wird.
Industrielle Grossprojekte verschlingen nicht nur Milliardenbeträge an Steuergeldern, oft ist auch keinerlei Nutzen für die Gesellschaft vorhanden! Alternativplanungen sind häufig leistungsfähiger, ökologisch verträglicher und erheblich kostengünstiger!

Hier sollte auch nicht vergessen werden, dass es der „Mutbürger“ war, der die Energiewende eingefordert hat. Nun möchte er auch mitgestalten und nicht vor neue Probleme gestellt werden, die eine sinnvolle Ener- giewende behindern!

Die Energiewende wird scheitern, wenn sie unbezahlbar wird und in der Bevölkerung keine Akzeptanz findet!

 

Weitere Umweltprobleme:

Die Tiefen-Geothermie fördert grob gesagt die Wärme aus dem Untergrund, die zum grossen Teil aus radioaktiven Zerfallsprozessen entstanden ist. (San Grosso / Max Planck) Was genau das geförderte Wasser an Inhaltsstoffen enthält, kann man erst nach entsprechender Beprobung sagen. Das Aufkommen an Schwermetallen und Radionukliden ist in weiten Bereichen Deutschlands allerdings hoch.
Bohrschlämme müssen fachgerecht entsorgt und auf Deponien verbracht werden. Das Thermal-Wasser muss beprobt und gegebenenfalls in Spezial-Tanklastwagen abtransportiert werden. Bohrzusätze sind wasser- und umweltgefährdend. Das Arbeitsmedium Pentan (in Bernried 45.000 Liter) ist explosiv, wasser- und umweltgefährdend.
Insbesondere die Verpressung von Flüssigkeiten in den Untergrund kann Erdbeben verursachen. Darüber sind sich Experten durchaus einig.
Auch darüber das jedes Geothermie-Kraftwerk in Deutschland ein Forschungsprojekt ist und die Risiken eben nicht ausreichend erforscht sind.
6 kleinere Erdbeben in Unterhaching, wurden bisher wissenschaftlich nicht aufgearbeitet. Zu den Beben und Schwarmbeben in Landau wurde eine Expertenrunde ins Leben gerufen.
Experten bestätigen, dass mit der Menge des im Untergrund „umgewälzten Wassers“ die Gefahr von menschgemachten Erdbeben steigt und das diese nicht kontrollierbar sind. (Die Förderrate des Heizkraftwerks Unterhaching ist im Vergleich zu den nun geplanten Kraftwerken in Bayern gering.)
In Deutschland macht man mit dieser bekannten Problematik nun 1. konkrete Erfahrungen. Aus anderen Regionen der Welt sind die Probleme schon lange bekannt.
Weitgehend unbekannt sind auch die Auswirkungen auf unsere Grundwasserstockwerke. Chemische Verunreinigungen, Rutschungen, Grundwasserleiterumkehr, Trockenfallen von Brunnen.
Daneben ist noch offen, wie sich die zahlreichen geplanten Geothermieanlagen in Bayern gegenseitig Wasser und Wärme abgraben. Würden alle geplanten Kraftwerke in Betrieb gehen, würden diese um das warme Wasser direkt miteinander konkurrieren.
Jedes deutsche Geothermiekraftwerk fördert in seinem Einzugsbereich eine Wärmemenge die 100 bis 1000 mal größer ist, als die Wärmezufuhr aus dem natürlichen Wärmestrom.


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