Tutzing im Merkur

Starnberger Merkur, Lorenz Goslich, 11. Mai 2010

Gebäudeschäden durch Erdbeben befürchtet
Tutzing/Bernried – Bis in einem Umkreis von acht Kilometern oder weiter können durch die Bernrieder Geothermie-Anlage Gebäudeschäden gelöst werden, warnen die Gegner des Projekts. Es gebe keine Geothermie Anlage, die noch kein Erdbeben ausgelöst habe, sagte Werner Striegl. Gezweifelt wird auch an den Vorteilen. Bei den Heizkostenpreisen beispielsweise sei die Geothermie vergleichsweise teuer. Für die Fernwärmenutzung eigne sich die Anlage nicht, weil die potenziellen Abnehmer zu weit weg seien. Die Anlage soll in der Nähe des Auweihers entstehen.

Gewarnt wurde vor Zerstörung der Umwelt und Gefährdung geschützter Tierarten, vor der Einleitung schädlicher Stoffe in den nahen Rötlbach und mit diesem in den Stamberger See, vor Flächen-Versiegelungen, hoher Abwärme, vor Radioaktivität und hohem Energieaufwand wegen notwendiger Bohrungen bis in 5000 Meter Tiefe. Vertreter der Bügeriniative haben schon verschiedene Regionen mit solchen Anlagen besucht, zum Beispiel Landau in der Pfalz. Von dort war der Rechtsanwalt Roger Roth nach Tutzing gekommen, der die hiesige Bürgerinitiative offenbar juristisch vertreten will. Aus Landau stammte auch ein lautes dröhnend-zischendes Geräusch, das die Veranstalter durch den Saal tönen ließen, um zu demonstrieren, was für ein Lärm von den Bohrungen ausgehen werde, und zwar, wie Striegl sagte, 24 Stunden am Tag – in einem Bereich, in dem bisher „absolute Stille“ herrsche. nz

Gegner werden mehr

Der Widerstand gegen die in Bernried geplante Geothermie-Anlage nimmt zu. Die Bürgerinitiative spricht von bald 1000 Mitgliedern.
VON LORENZ GOSLICH

Tutzing/Bernried – Im Dezember seien es 25O Mitglieder gewesen, derzeit schon 800 Mitglieder. Das berichtete Mitinitiator Werner Striegl aus Haunshofen, als die Bürgerinitiative gegen die in Bernried geplante Geothermie-Anlage in Tutzing eine Infoveranstaltung abhielt. Schon bis Ende Mai werde die Zahl auf 1000 Mitglieder zunehmen. Inzwischen ist auch ein „Verein Schutz Westufer Starnberger See“ gegründet worden. Sein Vorsitzender ist Wolfgang Wirsching aus Kampberg. Die Initiatoren wollen – notfalls auf dem Rechtsweg – alles daran setzen, dass die Anlage die Genehmigung nicht bekommt‚ sagte der Tutzinger Rechtsanwalt Andreas Chowanetz.
Kaum noch ein Stuhl war frei im Saal des Andechser Hofs. Chowanetz kritisierte unter Beifall, dass nur wenige Gemeinderäte erschienen waren.

„Wir befürworten den Umstieg auf erneuerbare Energiequellen“, bekräftigte Striegl. Die Geothermie könne jedoch nicht als eine solche betrachtet werden den, weil ihr Wärme-Reservoir mit der Zeit erkalte. Viel sinnvoller seien Sonnenenergie oder Biogasanlagen. Gefordert wird eine Bauleitplanung. „Es wird nach meiner Meinung mit System in eine andere Richtung betrieben“, monierte Chowanetz. Das Projekt solle privilegiert durchgesetzt werden „wie ein Aussiedlerhof. Die Gegner wenden sich gegen umfangreichen Baustellenverkehr und fordern Informationen über die Baukosten, denn sie argwöhnen, die Öffentlichkeit müsse kräftig mit finanzieren. Weiter verlangt wird eine Beweislastumkehr für Anwohner: Falls durch Erdbeben
Schäden an Häusern entstehen, sollen die Betreiber nachweisen müssen, dass sie nicht verantwortlich sind – nicht umgekehrt die Hauseigentümer, dass die Anlage Verursacher ist.

Kritik an der Kritik
Kritik an den Widerständen gegen die Geothermie wurde in Tutzing laut. Der Kreisvorsitzende von Bund Naturschutz, Günter Schorn. warf der Bürgerinitiative vor, sie arbeite gegen die Bemühungen um alternative Energien, wenn sie eine derartige negative Stimmung gegen die Geothermie verbreite. Schorn wunderte sich zudem, dass die Vertreter der Bürgerinitiative mit dem Schutz von Natur und Tierwelt argumentiere. „Sie haben sich seit Jahrzehnten nicht um die Natur gekümmert“, rief er ihnen zu.
Rechtsanwalt Andreas Chowanetz widersprach energisch: „Ich lasse mir nicht sagen, dass ich die Natur nicht schütze, weil ich keinen Mitgliedsbeitrag an den Bund Naturschutz zahle.“
Offen kritisierte Chowanetz die bayerischen Grünen, weil sie sich seiner Meinung nach zu wenig mit der Geothermie befassen. Daraufhin schlug ein Besucher vor, ein Geothermie-Kraftwerk in der Nähe der bayerischen Grünen-Landesvorsitzenden Theresa Schopper „hinzustellen“.

Starnberger Merkur, Lorenz Goslich, 11. Mai 2010

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