„alternative-energiequellen.info“ ist die Online-Zeitung der Bürgerinitiative BIFUNAE, die sich zum Schutz des Westufers am Starnberger See gegründet hat und sich dort auch mit den Gefahren durch das geplante Tiefen-Geothermie-Kraftwerk Bernried / Höhenried auseinandersetzt.

Tiefe Geothermie – Hoffnungsträger Bayern?

Benachrichtigung

Wenn der Südwesten, Westen und Norden nur Bruchwerk generieren, dann hilft der Blick nach Bayern. Hier hat man immerhin den geologischen Glücksfall, dass die Thermalwasser führende Schicht des Oberjura-Kalksteins reichlich Grundwasservorkommen in sich birgt und sehr tief im Untergrund liegt. Dadurch ist das Wasserreservoir auch entsprechend heiß. Nicht umsonst haben sich die – beispielsweise isländischen – Risikokapitalgeber zunächst in mehreren Teilen Deutschlands aufgestellt, um dann zielstrebig ihre bayerischen Standorte zuerst zu entwickeln.

Aber funktioniert in Bayern wirklich alles so prächtig, wie die Lobby es darstellt?

Tatsache ist, dass es in Erding, Straubing, Simbach-Braunau, Unterschleißheim, München- Riem, Pullach und Unterhaching tiefe Geothermieanlagen gibt.

Mit Ausnahme von Unterhaching liegen die Temperaturen des genutzten Wassers unter 100 Grad Celsius und scheiden damit für die Stromerzeugung aus. Man kann damit geothermische Heizwerke und Nahwärmeversorgungen betreiben.

Mit der Stromgewinnung ist es nicht so gut bestellt.

In Unterhaching wurde das erste Kraftwerk zur Stromgewinnung in Bayern in Betrieb genommen. Schwierigkeiten bei der Entnahme und Injektion des 120 Grad heißen Wassers in den beiden Bohrungen, Pumpenprobleme, Probleme mit der Kraftwerkstechnik (erste Kalina-Anlage in Deutschland), Undichtigkeiten und Betriebsprobleme haben den Betreibern bisher viele Herausforderungen und wenig Wohlbehagen verschafft. Die einst reiche Gemeinde Unterhaching ist heute hoch verschuldet.

Aktuell dient das einzige Bayerische Geothermie-Kraftwerk zur Stromerzeugung in Bayern fast ausschließlich der Wärmeversorgung.

Von 1,2 MW erzeugtem Strom werden 1,0 MW für den Kraftwerksbetrieb benötigt (Knapek / im Landtag am 13.10.11). Es bleib also ein kläglicher Rest von 0,2 MW!

Unterhaching ist also heute in der Lage dem Netz gerade einmal 0,2 MW Strom zusätzlich zur Verfügung zu stellen.

Nach wie vor halten sich aber die unprünglich angestrebten Zahlen von 3,5 MW Stromproduktion in Medien und in der Politik. Das ist gute Lobbyarbeit, aber kein Erfolg!

Knapek ist heute für das Wirtschaftsforum Geothermie tätig, eine Lobbyorganisation, u.a. der vier grossen Energieversorgungsunternehmen.

Der Profit

Abgerechnet werden dürfen die 1,2 MW Strom mit dem höchstsubventioniertem EEG- Tarif. Der Eigenverbrauch darf als billigst erworbener Industriestrom gegenbilanziert werden. So kann auch bei miserabler Brutto-Nettobilanz Geld gemacht werden und der kleine Bürger zahlt die Rechnung.

Sollten jemals Großkraftwerke ans Netz gehen, wird dieser von der Politik gewollte Bilanzierungstrick den Kraftwerksbetreibern viel Geld in die Kassen spülen. Zumindest die meist ausländischen Mutter-Konzerne können sich freuen.

Durch das bescheidene Vorzeige-Heizkraftwerk Unterhaching werden Horden von Lokalpolitikern (und andere / Schüler etc.) getrieben, um sich von der Harmlosigkeit der Geothermiekraftwerke zu überzeugen: Weniger Lärm, weil mit Hybrid-Technik Kalina erbaut, gleich an der Autobahn und im Gewerbegebiet.

Politik und Geothermie-Lobby wachen darüber, dass der Ruf ihres Hätschelkinds nicht beschädigt wird.

Erdbeben in Bayern

6 Erdbeben in Unterhaching, die im Umfeld der Geothermiebohrungen lokalisiert wurden, konnten bzw. durften wissenschaftlich nicht aufgearbeitet werden. Das bayerische Wirtschaftsministerium hat in der Landtagsanfrage 16/1233 vom Mai 2009 das Problem per Dekret als nicht existent eingestuft: „Die für Geothermie genutzten bzw. beantragten Gebiete sind entweder überhaupt keiner Gefährdungszone oder der Zone ,,0“ zugeordnet. Es ist daher nicht damit zu rechnen, dass hier durch eine geothermische Nutzung Schadensbeben ausgelöst werden.„

Unumstritten ist, daß die gesamte Erdkruste unter Spannung steht, bestenfalls, wie hier bei uns in einem relativ stabilem Gleichgewichtszustand. Diese Pattsituation im Untergrund wird allerdings von der Tiefengeothermie gefährdet. Schon kleinste Veränderungen des Porendrucks können Erdbeben auslösen. So gibt es in Bayern Regionen, in denen selbst ein Starkregen Erdbeben auslösen kann (Bad Reichenhall).

Der bayerische Landeserdbebendienst hat dem Vernehmen nach einen Maulkorb bekommen. Der Expertenbericht zu den Beben in Landau geht auf die Beben in Unterhaching ein und kündigt an, dass diese untersucht werden müssten. Ebenso bestätigt dieser Bericht, dass mit der Menge des im Untergrund „umgewälzeten Wassers“ die Erdbebengefahr steigt.

Die Förderrate des Heizkraftwerks Unterhaching
ist im Vergleich zu den nun geplanten Kraftwerken in Bayern gering.

Die Zukunft

Hinreichende Wasser mit der erforderlichen Temperatur zur Stromgewinnung wurde auch in Sauerlach und Dürrnhaar / Kirchstockach erbohrt. Allerdings in allen Fällen um den Preis erheblicher Bohrschwierigkeiten. In den Planungen werden Zahlen im kleinen einstelligen MW-Bereich für die elektrische Leistung der Anlagen gehandelt, bei gleichzeitiger Wärmeauskopplung ebenfalls im einstelligen MW-Bereich.

Der Fehlschlag in Mauerstetten bei Kaufbeuren soll nun zu einem Forschungsprojekt für HDR (Fracking) ausgebaut werden. Die Schweiz und Kalifornien haben sich von den Versuchen mit dieser Technik nach Schad-Beben verabschiedet. Frankreich hat das Fracking in diesen Sommer generell verboten. Deutschland plant weiterhin HDR-Kraftwerke als Zukunftstechnologie. Weltweit ist allerdings kein einziges HDR-Kraftwerk in Betrieb. Alle Versuchs-Anlagen führten zu Erdbeben und Landabsenkungen. (Neuseeland bis zu 14 Meter!)

Die Lobby hat sich inzwischen die unterschiedlichsten Namen für das HDR, petrothermale System einfallen lassen. Tatsache ist, dass der Übergang von Hydrothermaler zur Petrothermalen Technik fliessend ist.

Bisher ist ausser Unterhaching kein einziges Geothermie-Kraftwerk zur Stromerzeugung in Bayern in Betrieb gegangen.

Heizwerke

Zahlreiche weitere Projekte sind in Bayern im entstehen. In Erding, Garching, Poing, Aschheim-Feldkirch-Kirchheim und Unterföhring werden die Wassertemperaturen jedoch keinesfalls zur Stromgewinnung ausreichen, denn sie liegen alle bei etwa 80 Grad Celsius.

ca. 120 Claims in Bayern

Es gibt keine Erfahrung, wie sich die zahlreichen Geothermieanlagen in Bayern gegenseitig Wasser und Wärme abgraben. Im Run der letzten Jahre sind die Gebiete südlich der Donau fast lückenlos mit Konzessionen überdeckt worden.

Gehen alle geplanten Krafterke in Betrieb werden sie wegen der räumlichen Nähe um das warme Wasser direkt miteinander konkurrieren, denn alle schöpfen aus dem gleichen Topf.

Jedes Geothermiekraftwerk fördert in seinem Einzugsbereich eine Wärmemenge die 100 bis 1000 mal größer als die Wärmezufuhr aus dem natürlichen Wärmestrom ist. Um eine thermische Förderleistung von 70 MW nachhaltig zu erzielen, müsste sich das Wärmefördergebiet auf ca. 1200 km2 erstrecken.

Das tatsächliche Wärmefördergebiet umfasst jedoch nur einen Bruchteil davon.

Nutzungsdauer

Die Nutzungsdauer von hydrothermalen Geothermie Anlagen und Standorten ist begrenzt. Sowohl in der Literatur als auch in den Kreisen der Geothermie-Industrie wird dies anerkannt:

1. Gegenwärtige Analysen rechnen mit 20-30 Jahren Nutzbarkeit

2. Haltbarkeit der Bohrungen begrenzt auf ca. 15-20 Jahre Bohrungen verstopfen oder korrodieren nach einiger Zeit Danach muss neu gebohrt werden. Dass bedeutet in 20 Jahren müssen wir uns nochmal mit diese Problemen beschäftigen: wieder Bohrlärm, wieder Baustelle, noch mal hohe Kosten und Energieverbrauch.

Nutzungsdauer mindest. 10 Jahre?

Aktuell sollen die Bauarbeiten für das Geothermieprojekt im bayerischen Kirchstockach beginnen. Bis Mitte 2012 will Hochtief Energy Management, ein Unternehmen von Hochtief Solutions, das Geothermiekraftwerk mit einer Leistung von zirka 5,5 MW als General- unternehmer schlüsselfertig errichten und anschließend für mindestens zehn Jahre betreiben.

„Geothermische Objekte“ – die wundersame Brotvermehrung?

Weil es in der Fläche Deutschlands bisher keine durchschlagenden Erfolge gibt, die geeignet wären, um maßgebliche Beiträge zur deutschen Stromversorgung zu er- bringen, hat sich die Branche eines neues Kunststück ausgedacht. Die Augenwischerei „Geothermiekarten“. Zahlreiche Karten und Abbildungen der Lobbyisten mit sogenannten „geothermischen Objekten“ in Deutschland kursieren im Internet.

Sie sollen belegen, dass tiefe Geothermie flächenhaft nennenswerte Beiträge zur Wärmegewinnung leisten kann, wenn schon nicht zur Verstromung geeignet.

Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass es sich in der Mehrzahl dieser in Portale und Informationssysteme im Internet dargestellten Erdwärmenutzungen um klassische Thermal-Wasserbrunnen handelt. Natürliche Warmwasseraustritte (Quellen) werden seit der Römerzeit genutzt, beispielsweise in Baden-Baden. In der Nachkriegszeit wurde man bei der nationalen Erdölsuche auf zahlreiche Warmwasserreservoire aufmerksam, besonders in Süddeutschland. Im Lauf der Jahrzehnte haben sich zahlreiche Kurbetriebe etabliert. Charakteristisch für alle diese heute so genannten „geothermischen Objekte“ ist, dass sie geringe Wassermengen entnehmen ohne das abgekühlte Wasser wieder in den Untergrund zu injizieren.

Die Wassertemperaturen liegen immer deutlich unter 100 Grad Celsius, in den allermeisten Fällen sogar unter 50 Grad Celsius. Das Thermalwasser wird nach Entnahme, Nutzung im Badebetrieb und Abkühlung in ein Oberflächengewässer eingeleitet. In fast allen Fällen wird das Wasser durch Gasheizungen in den KelIergeschoßen der Bäder möglichst lange auf Badetemperatur gehalten. In Deutschland wird die prädikatisierende Bezeichnung „Thermalwasser“ ab einer ständigen Wassertemperatur von 20 Grad Celsius verliehen. Badegäste kann man schwerlich in 20 Grad warmes „Thermalwasser“ locken.

Die Wasserumwälzung in den Bädern führt zu enormen Stromkosten für die Betreiber.

Es kommt also zu einem massiven Einsatz fossiler Energie, die die Energieausbeute aus dem warmen Wasser übersteigt. Netto also mehr Energieverbrauch als Energiegewinnung

Äpfel = Birnen

Pressemitteilung 13.10.2011
Wirtschaftsforum Geothermie:

Die “wundersame Brotvermehrung” findet sich auch in der letzten Stellungnahme des Geothermie-Lobbyverbands “Wirtschaftsforum Geothermie” wieder. Zwar ist Knapek ja durchaus bewusst, dass das einzige Kraftwerk in Bayern maximal 0,2 MW Strom ins Netz speist, trotzdem werden hier wieder einmal 20 Kraftwerke aufgeführt, von denen 19 allerdings nur Heizwerke sind und alle 20 ganz eindeutig der Wärmeversorgung dienen!

Solange die Politik Äpfel nicht von Birnen unterscheiden kann, ist dieses Verwirrspiel der Lobby u.U. durchaus erfolgreich.

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