„alternative-energiequellen.info“ ist die Online-Zeitung der Bürgerinitiative BIFUNAE, die sich zum Schutz des Westufers am Starnberger See gegründet hat und sich dort auch mit den Gefahren durch das geplante Tiefen-Geothermie-Kraftwerk Bernried / Höhenried auseinandersetzt.

Lärmemission – geplantes GKW Bernried

Benachrichtigung

Das geplante GKW Bernried soll, den Veröffentlichungen des Betreibers nach, mit einer Luftkondensator Kühlung ausgestattet werden.
Bei dieser Art der Kühlung ist mit erheblicher Lärmemission zu rechnen.

Das Arbeitsmedium des Stromerzeugungskreislaufs muss nach Austritt aus der Turbine, mittels Wärmetauscher, wieder in den flüssigen Zustand versetzt werden, bevor es erneut den Kreislauf durchläuft. Luftkondensatoren als Wärmetauscher nutzen das Temperaturniveau der Umgebungsluft. Die Umgebungsluft wird über ein großflächiges, feinmaschiges Netz aus Rohrleitung mittels der Ventilatoren gesaugt. Hierdurch entstehen hohe Luftgeschwindigkeiten und die daraus resultierenden Luftverwirbelungen, die die Hauptursache des abgestrahlten Lärms sind. Da die Umgebungsluft ungehindert zum Luftkondensator und von ihm weg strömen muss, ist es auch nicht möglich durch eine dichte Einhausung diese Schallquelle zu kapseln und dadurch die Lärmemissionen direkt an der Quelle maßgeblich zu reduzieren.

Um abzuschätzen, wie hoch die Lärmemissionen am geplanten GKW Bernried ausfallen, wurden im Januar 2010 Messungen am GKW Landau (Pfalz) durchgeführt. Das GKW Landau ist mit dem in Bernried geplanten in seinem Anlagenschema vergleichbar. Auch das GKW Landau ist ein kombiniertes Strom- Wärmekraftwerk mit einer Luftkondensator Kühlung. Die elektrische Leistung des GKW Landau beträgt 3MW, die Abwärme wird über 15 Luftkondensatoren weggeführt. Die elektrische Leistung des geplanten GKW Bernried wird vom Betreiber mit 10-11MW angegeben, die Anzahl der Luftkondensatoren mit 66. Dementsprechend müssen die Messwerte für das geplante GKW Bernried hochgerechnet werden.

Die Messungen am GKW Landau erfolgten an einem kalten Januartag mit nahezu geschlossener Neuschneedecke. Zur Zeit der Messung wurde das Kraftwerk aufgrund der Erdbeben mit Schadensfolge, im Jahr 2009, nicht mit der Nennleistung von 3MW, sondern mit reduzierter Leistung betrieben. Wie hoch die Leistung zur Zeit der Messung war, ist leider nicht bekannt. Zudem ist durch die kalte Witterung und des daraus resultierenden hohen Temperaturgefälles, zwischen dem Arbeitsmedium und Umgebungsluft, ein sehr guter Wärmetransport gegeben und die Lüfterdreh-zahlen und damit die für den Lärm verantwortlichen Luftströmungen können entsprechend reduziert werden. Die Neuschneedecke absorbiert den Schall zusätzlich, so dass die Messung und der direkte Übertrag auf das geplante GKW Bernried zu einer sehr konservativen Prognose führt.

Am GKW Landau wurden in ca. 60m Entfernung 70dB(A) mit einem geeichten Handschallpegelmesser ermittelt. Die Messung wurde an der Nordseite des Kraftwerks durchgeführt, auf der der Schall durch das Lüftergeräusch dominiert wird. Auf der Südseite ist zu dem Lüftergeräusch auch ein tieffrequenteres Pumpengeräusch wahrnehmbar, nach Angaben des Betreibers des GKW Bernried sollen diese im geplanten GKW Bernried besser gekapselt sein.

Das geplante GKW Bernried verfügt über mehr als 4-mal so viele Lüfter wie das GKW Landau. Die Addition von 2 gleich starken inkohärenten Schallquellen ergibt einen Pegelzuwachs von ca. 3 dB. Eine 2-fache Verdopplung, gleich Vervierfachung, ergibt also einen Pegelzuwachs von ca. 6dB. Im Abstand der Messung (60m) wird sich demnach am geplanten GKW Bernried ein Schalldruckpegel von ca. 76dB(A) ergeben. Im Überschlag kann bei einer Vergrößerung bzw. Verringerung des Abstands um Faktor 2 mit einer Erhöhung bzw. Reduzierung des Schalldruckpegels um 6dB, unter Freifeldbedingungen, ausgegangen werden. Das bedeutet das in unmittelbarer Nähe (10m) der Luftkondensatoranlage, am Emissionsort, mit Schalldruckpegeln größer 90dB(A) zu rechnen ist.

Unter Freifeldbedingungen würde sich die Schallausbreitung wie im Bild unten darstellen. Die Landschaftsform, die Wiesen und Wälder werden die Schallausbreitung jedoch gegenüber der theoretischen Freifeldbedingung aber deutlich reduzieren, eine Aussage hierzu ist nur über ein aufwändiges Schallgutachten möglich.

Es ist aber davon auszugehen, dass nur die im Bild rot dargestellten Nachtgrenzpegel der TA-Lärm eingehalten werden können, was für die in der Region vorherrschenden äußerst ruhigen Wohnlagen eine Erhöhung der Lärmbelastung um bis zu 20dB(A) bedeuten kann. Eine Messung des nächtlichen Schallpegels in Kampberg und Haunshofen ergab einen Wert von 22-25dB(A) eine Erhöhung um 20dB(A) auf einen Wert von 45dB(A) wird vom Menschen als eine Vervierfachung der empfundenen Lautstärke wahrgenommen.

B. Schmitt, Dipl. Ing.

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